Auf dem Blog von MovieRelics.de möchte ich eine neue Reihe von Tipps und Tricks für den interessierten Sammler starten, um selbst besser allgegenwärtige Autogrammfälschungen erkennen zu können.
Den besten Schutz vor Autogrammfälschern bietet immer noch Ihre eigene, auf Fakten gestützte, Meinungsbildung und Erfahrung. Verlassen Sie sich nicht blind auf Zertifikate, Vereinigungszugehörigkeiten und Referenzen – machen Sie sich Ihr eigenes Bild von der Echtheit eines Angebots!
Teil eins der neuen Reihe widmet sich dem Thema “Neue Tinte auf altem Papier erkennen”.
Ein Großteil der Begutachtung eines antiquarischen (vintage) Autogramms widmet sich den Materialien und lässt im ersten Schritt die Signatur selbst ganz außen vor. Das Papier, Format, Motiv, Tinte und vermutete Schreibutensilien müssen dem angepriesenen Datum entsprechen um der kritischen Prüfung standzuhalten. Gerade authentisches Papier aus einer bestimmten Zeit aufzutreiben bereitet den meisten Fälschern oftmals die wenigsten Probleme.
Auf eBay können nicht nur jede Menge Autogrammfälschungen erworben werden, sondern auch gleich das benötigte Grundmaterial hierzu. Leere Autogrammalben, jahrzehnte altes Schreibmaschinenpapier oder unsignierte Fotos aus der Zeit sind keine seltenen Dachbodenfunde die es auf die Auktionsplattform schaffen.
Sehr beliebt sind auch die letzten, unbedruckten Seiten aus alten Büchern. Die lassen sich naturgemäß extrem leicht und zuverlässig datieren und sind auch für vergleichsweise wenig Geld aufzutreiben.
Das Material ist also leicht in authentischer Form zu beschaffen und bietet Ihnen demnach kaum einen Angriffspunkt um Fälschungen zu entlarven. Wird jedoch nun auf das authentisch, alte Papier nachträglich eine Signatur aufgebracht, dann können Sie wieder einhaken.
Das notwendige Hintergrundwissen um diese Methode aufzudecken ist ganz einfach: Die einzelenen Zellulosefasern aus denen Papier aufgebaut ist lösen und lockern sich über die Jahren. Wird nun Tinte auf diese aufgelockerte Zellulosestruktur aufgtragen, verläuft diese schnelle in den einzelnen Fasern und der Strich wirkt ausgefranst. Zudem setzt sich die Tinte im Papier zunehmend ab über die Jahre und oxidiert. Alte Schriften sitzen nicht oben auf dem Papier auf, sondern scheinen “eingesickert” zu sein und von der ursprünglichen Farbe abweichend (durch die Oxidation).
Dazu betrachten Sie am besten das fragliche Schriftstück unter starker Vergrößerung. Als Beispiel habe ich hier einen Papierausschnitt von 1916 für Sie vergrößert:

Originale Schriftprobe von 1916
Hier können Sie sehr schön erkennen, dass sowohl beim Tintenstrich, als auch bei der aufgedruckten Zeilenlinie durch die gelösten Fasern kleinste, weiße Zwischenräume entstanden sind, wo zuvor (1916) ein durchgängiger Strich auf den damals noch verbundenen Fasern aufgetragen wurde.
Zum Vergleich habe ich nun auf das exakt gleiche Papier einen neuen (falschen) Tintenstrich gezogen:

Fälschung (2009) auf altem Papier von 1916
Sie sehen einen durchgängigen, satten Tintenstrich. Keine Spur von den entstandenen Zwischenräumen, wie wir sie oben noch hatten. Die Tinte sitz dick und kräftig auf der obersten Schicht des Papiers – von Oxidation keine Spur. Auch sehr schön zu sehen ist der Ausfrasungseffekt, wo die Tinte in die gelockerten Papierfasern gesogen wurde. Hier handelt es sich ganz eindeutig um neue Tinte auf altem Papier.
Hier ein weiteres Beispiel von 1893:

Originale Schriftprobe von 1893
Auch hier sehen Sie die Absenkungs- und Oxidationseffekte der gealterten Tinte. Die ehemals schwarzen Striche haben sich tief in das Papier abgesetzt und sind dabei angelaufen.
Ein neuer Tintenstrich auf dem gleichen Papier wirkt dagegen sehr viel oberflächlicher und kräftiger:

Neue Tinte (2009) auf altem Papier (1893)
Diese Untersuchung kann jeder Autogrammsammler leicht mit eigenen Mitteln durchführen und mit ihr bereits eine Vielzahl an Betrugsversuchen ausschließen.