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Echo Gewinnerin Youn Sun Nah gibt zwei umjubelte Konzerte in Berlin

Am Freitag (17.6.2010) wurde Youn Sun Nah mit dem Jazz-Echo als „Beste Sängerin International“ in Dresden ausgezeichnet. Am Sonnabend gab es dann gleich zwei Konzerte in Berlin. Um 17 Uhr betrat die südkoreanische Sängerin die Kulturbühne Sphinx bei Dussmann, um zusammen mit dem Gitarristen Ulf Wakenius ein ca. 30 Minuten langes Konzert zu geben. Im Anschluss signierte sie ihre aktuelle CD „Same Girl“ und nahm sich Zeit für Gespräche mit den Zuschauern. Viel Zeit blieb ihr allerdings nicht, denn schon um 20 Uhr 30 ging es im Grips Theater weiter. Dort war Youn Sun Nah schon beim 25-jährigen Jubiläum des Grips Theaters (Red Carpet Reports berichtete) mit zwei Songs aufgetreten und hatte das Publikum begeistert.

Die Sängerin hatte ihre Karriere vor 17 Jahren im Musical „Linie Eins“ begonnen, das in Seoul mit großem Erfolg bis heute aufgeführt wird. 1995 ging Youn Sun Nah nach Paris, um Jazz zu studieren und wurde in Frankreich und anderen Ländern zum Star. Große Tourneen durch Europa und Asien und zahlreiche Auszeichnungen folgten. In Deutschland ist Youn Sun Nah bislang nicht sehr bekannt, was sich aber sicher bald ändern wird, denn kaum jemand, der sie live erlebt, wird sich der Magie, die diese Ausnahmesängerin auf der Bühne verbreitet, entziehen können.

Nun also ihr erstes 90-minütiges Konzert in Berlin auf der Bühne des ausverkauften Grips Theaters. Volker Ludwig, Gründer des Theaters und Autor von „Linie 1“, erzählt allen, die beim 25-jährigen Jubiläum des erfolgreichen Musicals nicht dabei gewesen waren, dass sich das gesamte Publikum bei ihrem Kurzauftritt in die charismatische Sängerin verliebt hatte, und dass man damals schon in der Pause der Meinung war, dass Youn Sun Nah unbedingt zu einem richtigen Konzert wiederkommen müsse. Jetzt war es endlich soweit, und das erste Jazz-Konzert im Grips Theater überhaupt konnte beginnen. Volker Ludwig verkündete stolz, dass wir die seit gestern weltbeste Sängerin in ihrem ersten Konzert nach der Auszeichnung durch den Echo erleben würden.

Zunächst spielte der schwedische Gitarrist Ulf Wakenius, der unter anderem der letzte Gitarrist von Jazzlegende Oscar Peterson war, ein indianisches Lied. Dann betrat Youn Sun Nah die Bühne und begann mit ihrer Eigenkomposition „Voyage“, einem sehr ruhigen Stück, doch gleich folgen rhythmischere Stücke wie der „Calypso Blues“ von Nat King Cole oder das brasilianische „Frejo“. Sie wechselt mühelos von einer Musikrichtung in die andere, Jazz ist nur eine Facette ihres großen musikalischen Universums. Sie macht aus den Liedern von Tom Waits, Metallica, Randy Newman oder Egberto Gismonti ganz eigene kleine Kunstwerke. Auch ein koreanisches Liebeslied, das Youn Sun Nah als „Korean Blues“ bezeichnet, oder ein französisches Chanson von Leo Ferré machen die Vielfalt aus, die die Sängerin dem begeisterten Publikum präsentiert. Immer wieder gibt es humorvolle Einlagen, ironische Ausflüge in völlig andere Bereiche, kleine, ungewöhnliche Instrumente oder andere überraschende Details, die das Konzert zu einer Art Abenteuerreise mit unsicherem Ausgang machen. Doch immer wieder kehrt sie in gewohntere Gefilde zurück, so dass alle Arten von Emotionen ihren Platz finden. Die Stimme, die sie sonst so virtuos beherrscht, versagt nur einmal etwas, als Youn Sun Nah davon erzählt, wie sie vor 17 Jahren in Seoul die Hauptrolle von Linie 1 übernahm. Sichtlich bewegt und mit Tränen in den Augen bezeichnet sie es als „Miracle“, jetzt mit ihrem eigenen Programm auf der Bühne des Grips Theaters stehen zu dürfen. Doch schnell taucht sie wieder in ihre Musik ein und beendet das Konzert schließlich mit dem Tom Waits Song „Jockey Full of Bourbon“. Natürlich reicht das dem Publikum nicht, und so kommt Youn Sun Nah zu ihrer ersten Zugabe zurück. Fast schon erleichtert bedankt sie sich beim Publikum, dass sie weitersingen darf. Mit „Enter Sandman“ zeigt sie noch einmal ihr ganzes Können und beendet den Metallica Klassiker mit metallischen Lauten, die gemeinsam mit der Gitarre von Ulf Wakenius einen markdurchdringenden Sound erzeugen. Die zweite Zugabe lässt nicht lange auf sich warten und wird dann wieder ruhiger, nur begleitet von einer „Music Box“ singt sie den Titelsong ihrer aktuellen CD „Same Girl“ von Randy Newman. Immer noch hat das Publikum nicht genug, so erscheinen die Sängerin und ihr kongenialer Gitarrist noch einmal, um sich zu verbeugen, während sich das Publikum mit stehenden Ovationen für ein großartiges Konzert bedankt.

Im Foyer gibt es dann wieder CDs, und kaum einer lässt sich die Chance entgehen, sich diese unterschreiben zu lassen und ein paar Worte mit der sympathischen Sängerin zu wechseln. Im Publikum waren auch viele Musiker, darunter Klaus Doldinger, der sie schon am Abend zuvor beim Jazz Echo erlebt hatte und sich auch vom heutigen Auftritt begeistert zeigte. Noch ist Youn Sun Nah in Deutschland ein Geheimtipp, aber das wird vermutlich nicht mehr lange so sein. Wer die Gelegenheit hat, Youn Sun Nah einmal live in einem kleinen Rahmen zu erleben, sollte also nicht zögern.

© René du Vinage

 

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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