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On The Inside – Premiere am Mittag

Samstagmittag, eine ungewöhnliche Zeit für eine Filmpremiere. Aber es ist auch kein gewöhnlicher Film. Unter der Regie von Uwe Janson entstand ein brisanter Thriller in Kammerspielmanie, für den er unter anderem den als deutschen Brad Pitt gehandelten Ken Duken gewinnen konnte, den gerade in Hollywood weilenden Tyron Ricketts, Matthias Koeberlin, gerade erst in Laconia gesehen, sowie seine eigene Frau Sheri Hagen. Und das trotz Low-Costproduktion, da weder TV- noch andere Förderungen den Film unterstützten. Der 70- Minüter wurde gerade mal in einer Woche gedreht. Filmkulisse dabei ist ein Hotelzimmer des Brandenburger Hofes, welcher das Haus für die Dreharbeiten zur Verfügung stellte.

Es sind nur wenige Quadratmeter, in denen sich eine große Geschichte abspielt. Schwere Kost, dazu noch auf Englisch und Französisch. Hintergrund der Handlung ist das zeitlos aktuelle Massaker im Kongo. Der Bürgerkrieg dort, ein fast vergessener Konflikt hier in Europa, obwohl er seit 1996 fast vier Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Damit ist er die opferreichste Auseinandersetzung seit dem 2. Weltkrieg. Oliver Czeslik und Uwe Janson nahmen das zum Anlaß für das Drehbuch, Janson führte zudem auch Regie.

Es soll eine Parabel für den Krieg sein, den Krieg in uns allen. Der Film verdichtet auf engstem Raum  Täter, Opfer, Zuschauer. Er erzählt von Schuld, er erzählt von Opfern und Tätern und den verschwimmenden Grenzen dazwischen.

Eine schwarze Hand umgreift eine Pistole. Es ist die Hand von Arusha Ntarma (Sheri Hagen), Englischlehrerin aus der Provinz Kivu im Kongo. Der Lauf zeigt auf Simon Taylor(Tyron Ricketts), vermeintlicher Ex-Offizier und Verschuldender am Tod ihrer beiden Töchter, heutiger Wirtschaftsminister der Republik Kongo. Mit Rachegedanken folgt sie ihm auf eine Geschäftsreise nach Deutschland und stellt ihn in seinem Hotelzimmer, um ihm die Wahrheit über den Tod ihrer Töchter zu entlocken. Der Junior Chef des Hotels Marco Held (Ken Duken) befindet sich dabei als Zeuge zwischen den Fronten. Mit seinen eigenen Geistern kämpfend gerät er in einen Gewissenskonflikt, Arusha gewähren lassen, die Vergeltung dulden, seinen Hotelgast schützen? Man kann sich vorstellen, dass seine Figur hierbei die den ärmeren und politisch instablien Ländern gegenüber eingenommene Position Europas repräsentiert, vielleicht der westlichen Welt allgemein. Wobei sich der Film für diesen Konflikt erst gar nicht anmutet, eine Lösung zu liefern.

Es ist ein wichtiges Thema, eine kleine Produktion, aber ein großer Film. Ein anspruchsvoller Film. Nicht nur wegen der Thematik, sondern alleine schon wegen der beim Publikum vorausgesetzten Englisch- und Französischkenntnisse wegen, da der Film kaum untertitelt ist. Kein Konsumgut also für den Durchschnittszuschauer. Das Premierenpublikum in der Astor Filmlounge regt sich kaum. Die Stimmung ist schneidend, der Körper angespannt. Der Abspann geht einher mit allgemeinem tiefen Durchatmen, der Applaus lässt auf sich warten – man muss erst zurückfinden in das Jetzt, Berlin, Samstagmittag –  fällt später dann aber reichlich aus! Der Gospelchor Akwaba hilft dabei: sie singen ein munteres afrikanisches Lied. Das Lächeln der Singenden lässt die Knochen langsam wieder auftauen. Bevor sie ihr letztes Ständchen geben, schließt Uwe Janson mit ein paar dankenden Worten und bittet dabei alle Mitwirkenden auf die Bühne. Zum Abschied bekommt jeder von jeweils einem weißen und dunklen kleinen Mädchen ein Exemplar der exotischen Callablume.

(c) RCR Carina Adam (Text)

(c) RCR René du Vinage

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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