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Ursus & Nadeschkin: „Zugabe“ im Tipi

Ursus und Nadeschkin sind ein ungleiches Paar, erwartungsvoll blickt ihm das Publikum entgegen. Er: Groß, schlank, fast schlaksig vielleicht, das Haarvolumen auf Millimeter reduziert, Nadelstreifenfrack, blaues Tshirt und Hosenträger, Fältchen überziehen die Stirn, ein freundlicher Blick belebt sein Gesicht. Sie: Sonnenblumengelber Anzug, die muskulösen Arme vom Stoff unbedeckt, blonde Dreads über dunklem Ansatz, die Augen von einem Ausdruck des Übermuts bevölkert.

Schon in sämtlichen Metropolen sind die beiden Schweizer aufgetreten, sie pendeln zwischen Zürich, Berlin, New York und Melbourne hin und her und begeistern mit ihrer ganz besonderen Kunst, die sich nicht durch eine bestimmte Definition eingrenzen lässt, wohl auch weil sie sie selbst wieder entgrenzen und neu erfinden. Ich wage einen Versuch der Charakterisierung für diesen Abend: es mag eine Mischung zwischen Ausdruckstanz und Dada-Talks sein, aus Clownerie und Artistik, aus absurdem Nonsens-Gestotter, ergänzt mit musikalischen Einlagen. Alldem gemein ist eine Präzision in Körperhaltung, Ausdruck und perfekt abgestimmtem Miteinander. Zeitlicher Ablauf, Mimik, Gestik und auch die gespielte Uneinigkeit sind in einer unglaublichen Perfektion und Synchronität vereint.

Sonst selten gesehen, spielen sie mit dem Mittel der Entschleunigung. Nach Szenen des schnellen Synchronsprechens folgt ein ,wie sie es selbst nennen, „Leerraum“, der scheinbar ungeplant und dennoch unterhaltend angelegt ist. Allein der schweizerische Dialekt tut das Seinige zur jeweiligen Momentkomik, dazu kommt Nadeschkins glucksendes Lachen mit naiv- überraschten Gesichtsausdruck und der immer wiederkehrende Lückenfüller „Na super“.

Im Großen und Ganzen ist die Aufführung ein Streitgespräch um die Aufführung selbst. Sie können sich nicht zwischen Liebeslied und Arztszene entscheiden, nicht zwischen Komödie und Tragödie und auch nicht, wer von den beiden nun Romeo oder wer Julia spielen soll. Es scheint als habe dabei Nadeschkin die Hosen an, im wahrsten Sinne, denn sie wirkt maskuliner als ihr Partner im Frack mit dem kleidähnlichen Schnitt, der die Beine überschlägt und den Kopf auf die Hände stützt. Während sie dagegen sehr bestimmend ist, fremdsprachenbewandeter und schließlich den Romeo besser spielt. Doch genau von dieser Beziehung lebt ihre gemeinsame Komik und kommt an.

Ihre Show „Zugabe“ kann noch bis zum 13. November im Tipi, jeweils Dienstag bis Samstag um 19: 00 besucht werden. Karten gibt es unter 030- 390 655 50 oder auch unter karten@tipi-am-kanzleramt.de

(c) RCR Carina Adam

 

 

 

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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