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Rainald Grebe: Kleinkunst für die Massen in der Berliner Waldbühne

Nachdem sich der Himmel am Nachmittag ausgeregnet hatte, konnte Rainald Grebe mit mehr als 14.000 Fans in der Berliner Waldbühne am Sonnabend (18.7. 2011) seinen 40. Geburtstag bei trockenem Wetter nachfeiern. Ganze drei Stunden tobte er durch sein Repertoire, das er für die große Arena unter anderem von Chören, einem Blasorchester und einem Streichquartett untermalen ließ.

Nach einem Vorprogramm mit Boxern, Turnerinnen und einem Damenchor in roten Roben, der Heimatlieder anstimmte, sieht man Grebe auf der Leinwand, wie er einen weißen Wallach besteigt und mit seinem Indianerkopfschmuck in Richtung Bühne trabt. „Habt ihr Bock auf mich“ ist die rhetorische Frage, die mit großem Jubel aus der gut gefüllten Waldbühne beantwortet wird. Er wünscht sich vom Publikum, dass es drei Stunden lang energievoll tanzt, so wie er es vor kurzem beim Peter Maffay Konzert erlebt hatte

Schnell noch einen Seitenhieb auf Elton John, der zur selben Zeit in der O2-Arena auftritt und lediglich 8000 Zuschauer hat. Mit ulkiger Brille auf der Nase wird mal eben „Candle in the Wind“ angespielt und gefrotzelt „20 Kilometer weiter östlich müht sich ein dicker, alter Engländer am Klavier ab!“ Bei dem war allerdings Bundespräsident Christian Wulf mit First Lady Bettina zu Gast, während in die Waldbühne „nur“ der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit mit seinem Freund gekommen war.

Doch dann geht es los mit den eigenen Liedern, die man sich alleine wegen der wunderbaren Melodien als CD kaufen könnte – und dann sagen ihre Texte auch noch Wesentliches aus. Musikkabarettist Grebe singt begleitet von der Kapelle der Versöhnung über seine Ex Dörte, Hermann und Dorothea, die Diktatur der Herzen, vom Prenzlauer Berg, wird ganz melancholisch mit der „Familie Gold“ und preist sich als „Massenkompatibel“ an. Er positioniert sich dabei an der winnetouhaften „Aussichtsplattform“, auf der Bühne oder auch im Boxring. Eine Arena taugliche Fassung seines „Das war das 20. Jahrhundert“ wird mit großer Besetzung fast zur Rockoper aufgemotzt.

Zwischendurch wird es historisch: die Geschichte des 1936 zu den Olympischen Spielen eröffneten Amphitheaters wird immer wieder thematisiert, oder ein Besucher erzählt, wie er 1965 das Konzert der Rolling Stones in der Waldbühne erlebt hat, die ja nach der Verwüstung während des Konzerts jahrelang geschlossen blieb. Grebe stiftet davon angeregt sein Publikum dazu an, sich auf die Plätze zu stellen und zu stampfen – das aber geht in die Hose: das Publikum ist nicht in Stimmung oder die Aktion zu gewollt, am Ende bleibt die Waldbühne jedenfalls unbeschadet und die Leute setzen sich gemächlich wieder hin.

Auftritte von Gästen lockern das Programm auf. Grebes ehemaliger WG-Partner The God of Puppetplaying René Marik führt ein Puppenspiel auf, das mit Sprüchen wie „Entwickel mal Hemmungen!“ ziemlich gut ankommt. Die Bolschewistische Kurkapelle war schon vor dem Konzert fahnenschwenkend und trötend durch das Publikum geturnt, die Gropius Lerchen trällern ihre Lieder und Yusuf – das Kamel hat seine großen Momente. Auch ein Feuerwerk gibt es, wegen der strengen Bestimmungen allerdings nur von Holzfeuerwerker Hans Krüger.

Gegen Ende besingt Grebe die östlichen Bundesländer der Reihe nach. Mit Taschenlampen, Knicklichtern und Feuerzeugen markiert das Publikum, woher es kommt. Viele sind aus den anderen Bundesländern angereist, doch  Brandenburg ist wohl am stärksten  vertreten

So gipfelt das Konzert auch in der Brandenburg-Hymne und dem triumphalen Refrain „Halleluja Berlin“. Die Zuschauer singen begeistert mit und feiern Grebe mit stehenden Ovationen. Doch eine Zugabe gibt es nicht, um 23 Uhr muss Schluss sein, denn, wie Grebe meinte, „Es ist ein ernstes Problem, hier im Wald wohnt irgendeine Anwaltskanzlei.“

(c) RCR Marcus Lienhardt

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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