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"WESTWIND" Premiere in Ost-Berlin

Erst vor wenigen Tagen fanden in ganz Berlin Gedenkfeiern anlässlich des 50. Jahrestages des Mauerbaus am 13. August 1961 statt. Nach wie vor ist die deutsche Teilung fest in den Köpfen einiger Menschen verankert – zurecht natürlich. Über die Jahre hinweg sind bereits einige Filme erschienen, die auf dem Thema DDR aufbauen – direkt und indirekt. Gestern nun fand im Filmtheater am Friedrichshain die Premiere eines weiteren Streifens statt, der jenes Thema aufgreift, wenn auch weitaus unterschwelliger als viele Filme vor ihm. Die Rede ist von „Westwind“, unter der Regie von Robert Thalheim.

Die Schlange vor dem Filmtheater war erstaunlich groß, als sich gegen 20:15 Uhr die angekündigten Schauspieler vor den anwesenden Journalisten und Fotografen präsentierten. Arm in Arm mit den beiden Hauptdarstellerinnen Friederike Becht und Luise Heyer posierte Nachwuchsschauspieler Franz Dinda gekonnt vor Presse und Gästen. Weiterhin anwesend waren Schauspielerin Miriam Stein, bekannt als „Lotte“ aus dem jüngst erschienen Film „Goethe!“, Karoline Schuch, Jan Sosniok, Roland Jahn.

Der Andrang beim Publikum war erstaunlich groß – gezeigt wurde der Film schlussendlich parallel in zwei Kinosälen.

Miriam Stein
Premierengast: Miriam Stein

Wir schreiben das Jahr 1988: Die zwei Schwestern Doreen (gespielt von Friederike Becht) und Isabell (gespielt von Luise Heyer) begeben sich ins Ruderlager an den Balaton um für die Berliner Rudermeisterschaften zu trainieren. Die ostdeutschen Schwestern verbindet eine enge Beziehung, sie sind aktive Leistungssportlerinnen und sehen in dem Ausbildungslager ihre Chance, eines Tages bei den Olympischen Spielen dabei sein zu dürfen. Als sie unglücklicherweise den Bus zu ihrem Camp verpassen werden sie von zwei Hamburger Jungs mitgenommen. Zwischen Doreen und Arne (gespielt von Franz Dinda) – einem der beiden Westdeutschen – entwickelt sich bald mehr als nur eine Freundschaft. Entgegen der Anordnungen schleichen sich die beiden Schwestern nachts aus dem Lager, um sich heimlich mit den Jungs zu treffen. Die gefährliche Bindung stellt die Beziehung von Doreen und Isabell bald vor eine schwere Zerreißprobe.

Robert Thalheims Film ist ein leichter, sommerlicher Film, der jedoch nicht ganz ohne Schwächen daherkommt. Die Beziehung der beiden Schwestern zueinander erschließt sich dem Zuschauer von der ersten Sekunde an – man kann sich gut in die Rollen der beiden hineinversetzen, mit ihnen fühlen, verstehen warum sie wie reagieren. Anders sieht es da leider bei Filmfigur Arne aus, die zu weichgezeichnet daherkommt. Es erschließt sich bis zum Schluss des Films nie ganz sein eigentlicher Charakter. Dies liegt nicht unbedingt an der Rolle an sich, sondern vielmehr an Dindas schauspielerischer Leistung, die in „Westwind“ leider nicht zur üblichen Stärke auffährt. Zu unemotional, zu charakterlos kommt die Figur des Arne daher.

Der in sich zwar schlüssige Plot vermag jedoch teilweise nicht wirklich zu fruchten – zu oft wiederholen sich bestimmte Sequenzen. Auch das Ende hätte mehr Dramatik vertragen können, geht es hier doch um eine wirklich brenzlige Situation. Summa Sumarum ist „Westwind“ leider nicht mehr – aber auch nicht weniger – als ein schöner, seichter Film, den man sich zur Abendunterhaltung gerne anschauen darf.

Ein wenig Würze in die Story bringt der Fakt, dass die Handlung auf einer wahren Geschichte beruht – nämlich auf der, der Schwestern Susann und Doreen Schimk, die in ihrer Funktion und als Vorbilder des Films gestern Abend ebenfalls anwesend waren. Nach einer kurzen Fragerunde nach dem Film begab sich die Belegschaft schlussendlich zu einer kleinen Feier in den angrenzenden Sommergarten.

(c) Text RCR Nicholas Beutler

 

(c) RCR Marcus Lienhardt

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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