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„Sie hat es verdient“ Preview in Berlin

Es herrscht tiefe Stille im Saal, als der Abspann läuft. Und das zurecht: So beeindruckend, so tiefgreifend war er, dieser ARD-Mittwochsfilm, wie man es sonst selten gewohnt ist. Unter die Haut geht er – setzt da an, wo ein jeder normalerweise wegschauen würde. Es ist dieses Thema, bei dem niemand gerne involviert ist, Gewalt unter Jugendlichen nämlich. Dieses Thema, das doch so dringend Diskussionsbedarf hat und die nötige Aufmerksamkeit mit diesem Film hoffentlich bekommt.

Die Rede ist vom Fernsehfilm „Sie hat es verdient“, der morgen Abend um 20:15 Uhr in der ARD läuft. Vor einigen Tagen feierte der Streifen vor ausgewähltem Publikum in der Astor Filmlounge in Berlin seine Premiere. Mit dabei natürlich die Hauptdarsteller: Veronica Ferres, die schon von wartenden Fans euphorisch empfangen wurde, Liv Lisa Fries, Martin Feifel, Saskia Schindler, Francois Goeske und Sina Tkotsch. Sie standen der Presse Rede und Antwort, posierten vor den Anwesenden Fotografen und waren schließlich auch dabei, als der Film vor nahezu ausverkauftem Hause gezeigt wurde.

Der Film handelt vom Albtraum jeder Eltern: Dem gewaltsam herbeigeführte Tod des eigenen Kindes. Susanne (gespielt von Saskia Schindler) wird 16. Das in familiären aufgewachsene Mädchen hat einen Faible für den ruhigen Josch (gespielt von Francois Goeske), der allerdings in einer mehr oder minder ernsthaften Beziehung mit der ruppigen Mitschülerin Linda (gespielt von Liv Lisa Fries) ist. Die gewaltbereite und temperamentvolle Linda sieht in der liebevollen und mütterlich umsorgten Susanne eine Konkurrentin und zugleich einen Spielball.

Da es ihr Geburtstag ist, lädt Susanne ihre Freunde abends zu einer Party ein. Linda will die Chance nutzen und sich an Susanne für vermeintlich begangene Flirtereien an Josch rächen. Sie lockt Susanne in ihr Elternhaus und misshandelt das Mädchen. Susannes Eltern warten indessen vergebens auf das Geburtstagskind. Erst der Anruf vom Krankenhaus bringt Gewissheit – abgrundtiefe Gewissheit darüber, dass Susanne tot ist, sie erlag ihren schweren Verletzungen. Susannes Mutter (gespielt von Veronica Ferres) besucht Linda einige Wochen später im Gefängnis. Es ist die Eingangsszene des Films und gleichzeitig die aussagekräftigste: Auf die Frage, warum Linda ihre Tochter umgebracht habe, weiß diese nur eine einzige Antwort:“ Sie hat es verdient“.

Es ist dieses Unverständnis für die Tat, das den Zuschauer den ganzen Streifen über begleitet, ihn kopfschüttelnd bangen lässt, was mit Susanne passiert. Regisseur Thomas Stiller schafft es, durch ein wunderbar schauriges Zusammenspiel von sprunghafter Erzählweise, szenerienaher Handkamera und eindrucksvollen Jungschauspielern eine enorm dichte Atmosphäre zu schaffen, der man sich nur schwerlich zu entziehen vermag. Der Zuschauer fühlt regelrecht mit, wenn Linda einer alten Dame den Rollator klaut, wenn sie vorschlägt, Susannes Kopf gegen die Wand zu schlagen, um sie umzubringen. Es ist aber auch Liv Lisa Fries zu verdanken, dass Lindas Rolle so enorm atmosphärisch und authentisch ist. Denn genau dieses Gefühl hat man den ganzen Film über: Trotz der Fiktionalität der Geschichte – es könnte genau so auch im echten Leben passieren!

Angesichts dieser Fülle an Qualität schaut man auch gerne mal über den ein, oder anderen Schnittfehler hinweg. Denn es ist diese Nähe zu den Personen, zu der Tat, die einen in den Bann zieht. Besonders stark in ihrer Rolle auch Veronica Ferres, die noch wesentlich vielschichtiger und ernsthafter als sonst in ihrer Rolle verankert ist. Ein atmosphärisch dichter Film, der einen zum Nachdenken anregt und eins aufzeigt: Es herrscht noch viel Diskussionsbedarf zu dem Thema – hoffentlich bekommt es durch diesen Film tatsächlich die nötige Aufmerksamkeit!

(c) RCR Nicholas Beutler (Text)

(c) RCR Marcus Lienhardt

„Sie hat es verdient“ läuft morgen Abend, am 14. September um 20:15 in der ARD.

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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