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Damo Suzuki – eine Rocklegende in der Kirche

5. Juni 2011 von René divider image
Damo Suzuki in Berlin

Der japanische Sänger Damo Suzuki, der mit der Kölner Band Can in den Siebziger Jahren Rockgeschichte schrieb und an den vier einflussreichsten Alben der Band beteiligt war, kam am Sonnabend zu einem einzigartigen Konzert in die Friedenskirche nach Berlin [...]

Der japanische Sänger Damo Suzuki, der mit der Kölner Band Can in den Siebziger Jahren Rockgeschichte schrieb und an den vier einflussreichsten  Alben der Band beteiligt war, kam am Sonnabend (4.6.2011) zu einem einzigartigen Konzert in die Friedenskirche nach Berlin. Die bislang weitgehend unbekannte Location in Berlin Charlottenburg befindet sich versteckt in einem zweiten Hinterhof an der Bismarckstrasse und ist selbst manch alteingesessenem Charlottenburger kein Begriff. Doch heute bot sie einen interessanten Rahmen für ein sehr lautes, wildes und beeindruckendes Rockkonzert. Schon bei Can gehörte die Improvisation zum Programm, und dem ist Damo Suzuki  nicht nur treu geblieben, er führt es sogar bis auf die Spitze. Sein Konzept: er tritt mit einer ihm unbekannten Band auf und das, ohne vorher zu proben. Die Musik entsteht live vor dem Publikum und ist an jedem Abend anders und unvorhersehbar. Was sich vielleicht erst mal eigenartig anhört, funktionierte in der Friedenskirche erstaunlich gut. Vor der beeindruckenden Kulisse des 80 m² großen Wandbilds “Friedens.Bewegung” von Helmut Kissel legte die Band Ziguri mit eher leisen Klängen los, die sich bald zu einem gewaltigen psychedelischen Orkan steigerten, dann wieder in eher konventionelle Rockmuster wechselten und zum Teil in einem brachialen Punk-artigen Sound mündeten. Neben der klassischen Rockbesetzung Gitarre, Bass, Schlagzeug kamen Trompete, Drehleier und ein Geigenbogen zum Einsatz, die dem Sound weitere Klangfarben hinzufügten. Die Darbietung von Damo Suzuki wechselte von einer Art Sprechgesang in stakkatoartige Ausbrüche in einer schwer zu definierenden Sprache. Der mittlerweile 61-jährige Sänger hat nichts von der ihn auszeichnenden Improvisisationsfähigkeit verloren. Die hypnotischen Klänge bannten das Publikum, das ganz unterschiedlich zusammengesetzt war. Alte Fans der Band Can waren ebenso vertreten wie junge Japaner, Mitglieder der Kirchengemeinde oder türkische Familien. Auch die Band Ziguri ist nicht ohne Historie. Günter Schickert arbeitete mit Elektronikpionier Klaus Schulze zusammen und veröffentlichte 1974 mit „Samtvogel“ ein bahnbrechendes Experimentalwerk.

Nach anderthalb Stunden ging ein Konzert zu Ende, das den Akteuren auf der Bühne aber auch dem Publikum einiges abforderte, das aber nachhaltig im Gedächtnis aller Beteiligten bleiben wird und mit großem Applaus belohnt wurde.

© RCR René du Vinage


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