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Die Band CITY feiert ihr 40. Jubiläum mit einem neuen Album und einer Tournee

Stein kennt die Band seit 1978. Da hat er als Teldec-Chef Citys Debüt „Am Fenster“ im Westen veröffentlicht, auch dafür gab’s eine Goldene. Nun hat er sein Silberhaar unter einer künstlichen Glatze versteckt, sich dem Aussehen der City-Mannen angepasst. Deren Leitspruch dereinst lautete: „Ohne Bass und ohne Haare – mit City durch die 80er Jahre.“

Die Glatzköpfe sind geblieben, ohne Bass freilich stimmt nicht mehr. Bandgründer Georgi Gogow, der zeitweise den Konkurrenten NO55 angeführt hat, zupft wieder, mal den Bass, mal die Geige. Die hat maßgeblich den größten City-Hit „Am Fenster“ geprägt. Mehr noch als durch diesen Hit war City in der DDR als unangepasste Band hoch geschätzt. Von Sänger Toni Krahl war zumindest gerüchteweise bekannt, dass er als Schüler in den Knast musste, weil er 1968 gegen den Einmarsch des Warschauer Paktes in Prag protestiert hatte.

Musikalisch passten City nie so recht in den offiziell geförderten „liedhaften DDR-Rock“, dazu sind sie viel zu spröde. Toni knurrt mehr, als dass er singt. Schlagzeuger Klaus Selmke knallt knochentrockene Beats hin, auf die Gitarrist Fritz Puppel seine sägenden Riffs aufbaut. Der später hinzu gekommene Manfred Hennig streut splitternde Keyboardsequenzen dazwischen. Toni singt über Typen von nebenan wie den „King vom Prenzlauer Berg“ oder traut sich gar unerhörte Frechheiten wie „Wand an Wand“ über die deutsche Teilung.

40 Jahre währt die Bandgeschichte mittlerweile. Und Musikmanager Stein verweist in Berlin bei der Vorstellung der Jubiläums-CD darauf, dass die „Best of“ von 2004 bald 400 000 Käufer gefunden hat, so viele wie keine andere Ostrockplatte und jeweils zur Hälfte in Ost und West. „Für immer jung“ als Albumtitel klingt da nur folgerichtig.

Auf diesem Album feiern City die letzten warmen Tage in „Es ist immer noch Sommer“, trauen sich an bemerkenswert zärtliche, gar nicht kantige Liebeslieder wie „Lieben und lieben lassen“, schöpfen in „Frei“ Hoffnung, preisen ohne alle Ironie „Das Schöne am Leben“. Mit „20 Gebote“ erweitern sie den biblischen Dekalog etwa um „Du sollst nicht gieren/sollst nicht geizen/nicht nur nehmen/und verheizen“. Nein, altersmilde gelangweilt klingen die Musiker auch nach 40 Jahren nicht.

„Sind so kleine Hände“ haben sich City von Bettina Wegner ausgeborgt. Gogow veredelt es mit seiner Violine mit sanftem Schmelz und energischem Zupfen. Außer Toni Krahl dürfte es wohl kaum jemandem gelingen, dieses tapfere kleine Widerstandslied aus dem Jahr 1978 so zu singen, dass es weder peinlich wirkt noch wie eine rein nostalgische Reminiszenz: „Grade klare Menschen wär’n ein schönes Ziel/Leute ohne Rückgrat hab’n wir schon zu viel“.

Ein besonderes Kabinettstückchen ist „Quicklebendig“. Von Goran Bregovic stammt die Komposition, Iggy Pop hat mit „In The Death Car“ die Textvorlage geliefert. City machen daraus einen übermütigen Schunkeltanz auf Messers Schneide, Gogow geigt vergnügt, der Rhythmus schaukelt hin und her und Toni brummelt von einer filmreifen nächtlichen Autofahrt, die wohl übel enden könnte, da die Begehrte nun mit anderen ausfährt.

Für die Jubiläumstour versprechen Toni & Co. ein bisschen mehr Spektakel als sonst von City-Konzerten gewohnt. Bläser werden die Band begleiten, die haben schon dem neuen Album einige frische Impulse verliehen. Gäste werden dabei sein, zum Tourauftakt in Berlin Dieter „Maschine“ Birr. Silly entsenden Anna Loos und Gitarrist Uwe Haßbecker. Zum Schluss rät Toni Krahl: Merkt euch schon mal das Datum für 50 Jahre City vor. (Von Gerd Dehnel)

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Christian Behring

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