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Gary Oldman im Gespräch mit RED CARPET REPORTS

RCR: Herr Oldman, Sie hatten vor dem Dreh die Möglichkeit, Autor John le Carré persönlich zu treffen. Wie war dieses Aufeinandertreffen für Sie?

GO: Es war großartig. Als Schauspieler ist man immer auf der Suche nach einer Vorlage, einem passenden Sprungbrett, und John le Carré lieferte es mir persönlich. Ich eignete mir für die Rolle seine Stimme und ein paar andere Eigenheiten an. Außerdem konnte er mir einiges über seine Zeit beim MI6 erzählen – über dieses Gefühl der umgreifenden Paranoia und die ständige Angst, seine Deckung zu verlieren. Du liegst schlaflos im Bett, lauschst nach Schritten auf der Treppe und denkst, dass dich jederzeit jemand enttarnen könnte. Es war extrem!

RCR: Was sagt er zum Endergebnis?

GO: Er mag den Film. Sogar so sehr, dass er ihn auf eine Stufe mit einem seiner Lieblingsfilme stellt: „Der Spion, der aus der Kälte kam“. Wenn er am Set war, fungierte er als technischer Berater und brachte klar zum Ausdruck, falls ihm etwas nicht gefiel. Das Endergebnis hatte somit seinen Segen.

Gary Oldman
Gary Oldman steht Rede und Antwort

RCR: Wie sind Sie an die Rolle gekommen?

GO: Wie die meisten Rollen hat sie mich ausgesucht, statt umgekehrt. Ich saß in meiner Küche, arbeitslos, mit einem Kaffee in der Hand. Bis das Telefon klingelte und es hieß: Möchten Sie George Smiley spielen?

RCR: Wie sind Sie mit den gewaltigen Fußstapfen ihres Vorgängers Alec Guinness umgegangen?

GO: Für mich war es, als müsste ich einen großen Drachen erschlagen. Das Erbe von Guinness war die größte Herausforderung. Wenn Sie Leute jedes Alters auf der Straße fragen: „Wer ist George Smiley?“, dann bekommen Sie als Antwort: „Alec Guinness“! Damit umzugehen erfordert Zeit. Ich kannte das Buch und die Geschichte, aber sagte erst nach einem Monat zu. Einem guten Charakter will man immer gerecht werden, und es kommt der Punkt, an dem du etwas wagen musst. Entweder gewinnst du oder verlierst.

RCR: Haben Sie persönliche Erinnerungen an die Zeit des „Kalten Krieg“?

GO: Natürlich haben wir am Rande immer die schlechten Nachrichten mitbekommen, doch wir waren in einem Alter, in dem die Hormone verrückt spielen. Mein 15-jähriger Sohn macht gerade dasselbe durch: Er ist sehr auf sich selbst fokussiert und der Mittelpunkt seiner jugendlichen Welt. Für mich lief es ähnlich – als 15-Jähriger war ich damals ehrlich gesagt eher auf David Bowie und Mädchen, statt auf den „Kalten Krieg“, fixiert.

RCR: Denken Sie, dass der Geheimdienst heute immer noch von Paranoia beherrscht wird? Gerade die USA verhalten sich gegenüber Al-Qaida heute so, wie damals zum Kommunismus.

GO: Denken Sie nicht, dass diese Angst vor Al-Qaida berechtigt ist?

RCR: Sicherlich. Doch lässt sich Al-Qaida nicht genauso infiltrieren wie ein europäischer Geheimdienst damals.

GO: Ganz genau. Die Ausgangslage heute ist eine ganz andere, und die gesuchten Leute sind meist mitten unter uns. Die Verdächtigen sind nicht mehr weit weg, sondern genau hier. Sehen Sie sich um – fast jeder hat ein Smartphone, mit denen alles möglich ist. Wir fotografieren damit Leute und nehmen ihre Gespräche auf. Im Endeffekt sind wir somit selbst Spione. Die Paranoia ist ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden, gerade weil wir mehr wissen wollen und können.

RCR: Ist schon eine Fortsetzung geplant?

GO: Ich weiß, dass erste Pläne für ‚Smileys Leute’ schon gemacht wurden. Tomas Alfredson und Ich sollen dabei sein. Mehr Infos gibt es bisher nicht, ausser dass es hier endet. Smiley schnappt seinen Erzfeind Karla in Berlin. Und ab April werde auch ich wieder hier sein.

RCR: Um ihren nächsten Film vorzustellen?

GO: Nein, ich werde hier in Berlin drehen. Den Regisseur kann ich allerdings nicht verraten.

Das Interview mit Gary Oldman führte (c) Enrico Seligmann.

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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