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50 Cent im großen RedCarpetReports Interview

Diese Woche habe ich für euch Curtis Jackson „50 Cent“ interviewt, der anlässlich der Deutschlandpremiere seines neuen Films „All Things Fall Apart“ in Berlin war. Schnell wird klar: Ich sitze hier vor Business Manager und Artist in einer Person. Fifty ist der Hauptdarsteller und Intendant, auch wenn das Theater um ihn herum unkontrollierbar ist.
Hier spricht euer Lieblings G-Rapper über Abspecken, Charity, Rastafari und ‚business as usual‘.


Die Mädchenfragen zuerst: Wie war es für dich, für deine Rolle als krebskranker Footballer Deon so viel abzunehmen? Macht das nicht launisch?

50: Tatsächlich war das die körperlich anstrengendste Rolle, die ich bis jetzt gespielt habe. Es waren im Vorfeld fast sechs Wochen Training, in denen ich eine High Protein Diet gemacht habe und schwere Gewichte gestemmt habe. Dann haben wir neun Wochen Pause gemacht, in denen ich getourt bin. Danach fing ich an, diese Diet namens „Master Cleanse“ mit Zitrone und Cayenne Pfeffer zu machen. Diäten sind verrückt, so etwas sollten nur Frauen machen. Für Männer ist das unerträglich. Was ich damit meine ist: Frauen sind körperlich viel taffer als wir Männer. Ich habe das fünf Wochen lang gemacht und insgesamt 55 Pfund verloren. Ich habe mich gefühlt wie ein Model. Aber es war nicht genug, da ich immer noch zu viel Muskelmasse hatte. Dazu kam, dass ich in Palm Springs Auftritte hatte und dafür dreimal am Tag trainieren musste.

Hattest du keine Zweifel, als du mit der Radikaldiät anfingst?

So eine Diät ist eigentlich nichts, was man machen sollte. Für mich war das das Opfer, das ich für die Rolle bringen musste. Ich habe mich ganz dieser Rolle gewidmet. Und ich hatte die zusätzliche Motivation, dass ich mein Geld in das Projekt investiert habe. Das ist wie wenn du einen Personal Trainer bezahlst, um mit dir ins Gym zu gehen (grinst). Du machst was er sagt, weil du dein Geld in ihn investiert hast. Du bist dem Projekt verpflichtet. Es wäre eine Verschwendung, so weit zu gehen und das dann nicht durchzuziehen. Christian Bale hat das (für seine Rolle in „The Mechanic“) auf ein neues Level gebracht. Er sah aus, als wäre er während dem Diätprozess fast gestorben.

Hast du viel geschlafen während der Zeit?

Ja, es war so: Ich stehe auf, gehe zum Cardio, befriedige meinen Appetit, komme zurück zu meinem Hotelzimmer und gehe schlafen. An anderen Tagen stand ich auf und machte eine ungefähr zweistündige Show, was quasi wie ein Cardio Workout ist. Ich bin auch während der Tour noch spät abends zum Training gegangen. Ich trainiere sowieso generell im Vorfeld körperlich für meine Touren, um fit zu sein. Das ist Cardio. Man hat keine wirkliche Pause während einer Show, man muss die ganze Zeit in Bewegung bleiben. Die Zuschauer denken, du machst hinter der Bühne nichts, während du hektisch rumrennst und damit beschäftigt bist, deine vollgeschwitzten Klamotten zu wechseln.

Wie hast du dich auf deine Rolle vorbereitet? Wie versetzt man sich in die emotionale Situation eines Menschen, der an Krebs erkrankt ist?

Der Grund, warum das Projekt existiert ist: Mein bester Freund aus der Kindheit ist an Krebs gestorben. „Get rich or die tryin´“ ist mein Film und „All Things Fall Apart“ ist seiner. Die Darstellung der Beziehung zwischen Deon und seinem Bruder im Film zeigt eigentlich uns. Er war mehr akademisch fokussiert und hat es sogar bis zum Strafverteidiger gebracht. Und ich war mehr am anderen Ende aktiv. Wir waren fast die Gegensätze voneinander. Diese Szene, in der er mit seiner Mutter auf dem Bett sitzt und sich fragt „Warum passiert das? Du weißt doch, ich habe nie irgendetwas getan“. Ich fing in der Szene an zu weinen, weil das genau das ist, was er zu mir gesagt hat. Im richtigen Leben. Er wusste nicht, dass das anders bei mir ankommt, weil ich ja wirklich all das getan habe, was er nicht getan hat.

Wie fühlt es sich für dich an, diesen Film zu sehen?

Weißt du was, ich fühle mich gut. Denn diese Dinge werden da sein, noch nachdem ich gegangen bin. Er ist bereits gegangen, aber das wird da sein als Verkörperung unserer Freundschaft.

Du hast dir den Film bei der Premiere auch auf Deutsch angeschaut!

(lacht) Das ist nochmal ein ganz anderes Level. Wenn die Leute an denselben Stellen lachen, an denen sie auch in der englischen Version lachen, heißt das, der Film hat durch die Übersetzung nicht an Gefühl verloren. Und das hat mich beeindruckt. Als ich da saß und gehört habe, wie die Leute an den gleichen Punkten lachten, dachte ich mir ok, das ist Hammer!
Musik bricht Sprachbarrieren und dabei ist nicht so viel Inhalt involviert wie bei einem Filmprojekt, denn die Musik erschafft ihre Emotion selbst. Diese Gefühle sind universell.
Deshalb spielt ja auch Musik im Hintergrund einer Szene. Wir fühlen das, egal in welcher Sprache die Musik angelegt ist. In einem Filmprojekt ist das komplett anders. Es übersetzt sich nicht von selbst auf diese Art und Weise. Da braucht man dann Untertitel und so weiter.


War dein Freund, um den es in dem Film geht, ein Rastafari?

Oh nein, ich habe diese Frisur gewählt, um die radikale körperliche Veränderung während der Chemo besser zu verdeutlichen.
Er hat Haare verloren, als er durch diesen Prozess ging. Deshalb habe ich das gemacht.

Und wie oft sieht man Footballplayer mit Dreads?
Du wärest überrascht, wie viele von denen Dreads unter ihrem Helm tragen.

Magst du den Look?

Er war cool für den Film. Aber ich werde meine Haare nicht so rauswachsen lassen.

Bist du ein Fan des Rastafarai Movement?

Ja, ich hatte eine Chance, mehr davon zu sehen, durch Snoop (jetzt Snoop Lion). Es gibt einen Film über seinen Weg und was er tatsächlich macht mit diesem Snoop Lion Projekt.
Snoop ist anders. Als Künstler kann er eine ganz neue Person annehmen. Andere Künstler lassen einfach das Projekt anders sein, aber er verändert seinen Namen, die Kleidung, die du ihn tragen siehst, alles… zusammen mit der neuen Musik, die er herausbringt. Er treibt das etwas weiter als normal mit seiner Kreativität (lacht). Aber das ist cool. Er hat viel dafür gemacht, um die Energie von Long Beach zu erfassen, wo er ja herkommt. Das zu machen und etwas aus einem positiven Bereich erschaffen zu wollen ist interessant. Ich bin gespannt, wie die Welt das annehmen wird. Aber um ehrlich zu sein, ich glaube nicht, dass sie es so annehmen werden, wie sie sollten.
Ich habe selbst vorher Material mit der gleichen Intention gemacht, aber es ist irgendwie einfach unter den Radar gefallen. Nach „Get rich or die tryin´“  haben wir 2003 „One Wish“ gemacht. Weisst du, was das ist? Check diese Platte, sie bedeutet mir alles.
Der erste Song, der von „The Massacre“ herauskam, „God gave me style“ … Ich drücke darin einfach die Dankbarkeit für die Dinge aus, die ich erreichen wollte und die sich für mich verwirklicht haben. Diese Dankbarkeit wollten sie lieber von einem anderen Künstler hören als von mir. Deshalb hat der Track auch nie richtig im Radio stattgefunden.

Deon befindet sich im Film in einer absoluten Krisensituation. Was machst du, wenn es bei dir droht zu kippen?

Ich benutze die Irritation als Antrieb. Ich finde etwas Produktives für mich, mache das und bleibe dabei, bis es wieder besser aussieht, und ich mir den nächsten Schritt überlegen kann. 
Auch wenn du wohlhabend bist: Depression ist ein Luxus, den du dir nicht leisten kannst! Du zerstreust dich und alles ist vorbei. Also musst du ein System entwickeln, das dich weiter funktionieren lässt, egal was gerade passiert. Das Durcheinander ist der Zustand, in dem  ein Künstler am meisten gefährdet ist. 

Du hast „All Things Fall Apart“ sowohl produziert als auch das Drehbuch selbst geschrieben. Willst nun mehr deine eigene Produktionsfirma ausbauen und hinter der Kamera arbeiten?

Ich mag es auch im Projekt selbst einen Part zu übernehmen, wenn es für mich persönlich von Bedeutung ist. Es muss passen, oder ich passe und lasse das Projekt sein, was es ist.
Ich habe zum Beispiel „Fire with Fire“ mit Bruce Willis und Josh Duhamel produziert und eine kleinere Rolle übernommen, weil ich zu der Zeit vor Gericht war und mich somit keiner größeren Rolle widmen konnte.
Ich habe drei oder vier Filme gemacht, die jetzt noch nicht einmal draußen sind.
„The Tomb“ mit Stallone und Schwarzenegger, der im September kommen soll, und ein weiteres Projekt, „The Frozen Ground“, mit Nicolas Cage, John Cusack und Vanessa Hudgens.

Du bist praktisch ein Hansdampf in allen Gassen. Viele Leute sind der Auffassung, es ist besser, sich auf eine Sache zu konzentrieren und die zu verfeinern, anstatt viele Dinge gleichzeitig aber nur so halbherzig zu machen.

Diese Leute sind Künstler. Und sie sind so vertieft, dass sie später Hilfe brauchen werden. Sie werden Hilfe brauchen, weil sie sich der anderen Dinge, die da abgehen, nicht bewusst sind.
Egal auf welcher Plattform du bist. Wenn du in der Musik bist… die richtige Art es zu beschreiben wäre im Musik Business… oder eben im Film Business: Du bist kreativ tätig, hast aber auch noch die geschäftliche Seite, der du dir bewusst sein musst, damit du die richtigen Entscheidungen treffen und die Projekte machen kannst, die ein Hit werden..

Du wirst oft getypecastet für deine Filmprojekte. Wie stehst du dazu?

In der Musik versteht man Typecasting darunter, dass du quasi selbst die Musik wirst, die du verkaufst. Du bist dann der Hit. Und wenn du dich zu weit von dem entfernst, was dich am Anfang zu einem Hit gemacht hat, stehen die Chancen gut, dass du nicht mehr erfolgreich wirst. Die Aggression, die ich in „Get Rich or Die Tryin´“ einfliessen liess, hat sich am stärksten umgesetzt. Als ich bei Curtis anfing, der Öffentlichkeit mehr von meinem Charakter im Ganzen anzubieten, gingen die Verkäufe zurück, verstehst du. Sie mögen die dunkle Seite von mir.

Nach Business wäre Politik der nächste Schritt.
Wärst du gerne in der Politik? 

Ich wäre ehrlich gesagt lieber in der Philanthropie involviert. Wenn du anfängst, dir über deine Hinterlassenschaften Gedanken zu machen, nimmst du dir Leute als Vorbild, die auch noch in ihrer Abwesenheit hoch respektiert werden. Das sind alles Leute, die Bewusstsein hatten und anderen wirklich geholfen haben. Ich habe ein Konzept entwickelt, bei dem ich einen unsichtbaren Partner habe. Der Partner ist Hunger. Also mache ich Portionen von jedem der Produkte, mit denen ich mich assoziiere und wende mich an das World Food Programm der Vereinten Nationen. Das ist eine Organisation, die wirklich groß genug ist, um weltweit Hilfe zu leisten.
Daneben habe ich noch andere Ideen, für die ich mich gerne in verschiedenen Gebieten im Kampf gegen Hunger mit den großen karitativen Organisationen zusammentun will.
Denn das ist nicht ein Dritte-Welt-Problem. Es ist ein Weltproblem.
In Amerika ist einer von sechs Leuten am Hungern. Die Kinder gehen zur Schule ohne ihr Pausenbrot. Man kann keine Informationen behalten, wenn man hungrig und zerstreut ist.
Ich werde das ohne Einschränkungen machen und ohne mich jemandes Auffassung davon anpassen zu müssen, ob ich mich jetzt mit dem, was ich sage, akzeptabel verhalte oder nicht. Das wären auch Einschränkungen für mich als Künstler. Die Dinge, die ich bei manchen Vorträgen sage, die aber effektiv sind und den stärksten Nachhall finden, sind Dinge, die als politisch inkorrekt angesehen werden.
50 Cent bei der Autogrammstunde im Alexa © RCR Dirk Menzel

Man denkt, bei 50 Cent ist es ein bisschen wie bei Sterntaler. Er kommt, das Gold fällt ihm direkt in den Schoss. Er geht. Sein wachsendes Vermögen erwirtschaftet der Rapper, dessen Vorfahren übrigens aus Nigeria stammen, nicht nur in der Entertainment Industrie, sondern unter anderem auch mit Anteilen beim Modelabel Zara.
50 entgeht kein Cent. Selbst in dem Rummel nicht.
Die Millionen hageln, genau wie die hysterischen Blitze der Paparazzi. Egal, 50 bleibt bei seinem american way of Entspanntheit.
Er ist ein erwachsener Mann, ihn interessiert mehr das Strategische.

© RCR Annina Nusko

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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