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Tanita Tikaram in Concert

An ihre großen Hits „Twist in my Sobriety“ und „Good Tradition“ erinnert sich jeder: Tanita Tikaram wurde mit diesen Songs 1988 quasi über Nacht weltberühmt. In den darauffolgenden Jahren, in denen sie kurz hintereinander zwei weitere Alben herausbrachte, verkaufte sie ca. 5 Millionen Alben, ihr Debutalbum „Ancient Heart“ wurde in Deutschland das meistverkaufte Album des Jahres 1989. Es folgten Jahre fast ununterbrochener Tourneen um den ganzen Globus, sie trat neben Europa auch in den USA und Japan auf.

Was die meisten nicht mehr wissen: Die Britin war bei der Veröffentlichung von „Ancient Heart“ gerade erst 19 Jahre alt. Nachdem sie zuvor gerade erst die Schule beendet hatte, konnte sie plötzlich nicht mehr unerkannt auf die Strasse gehen. Als der überwältigende Ruhm der ersten Jahre ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt hatte, suchte sie danach eher ein Leben abseits des Rampenlichts, was sie vorwiegend außerhalb Großbritanniens fand. Neben Aufenthalten in den USA lebte sie einige Jahre in Italien und in Frankreich, lernte sogar die jeweiligen Sprachen.

25 Jahre und acht Studioalben später ist Tanita Tikaram also erst 43 Jahre jung, und im Gegensatz zu vielen anderen macht sie immer noch Musik. Auch heute schreibt die Britin fiji-malayischer Herkunft alle ihre Lieder selbst. Obwohl ihre Musik über all die Jahre gleichbleibend von herausragender Qualität geblieben ist, wurde es kommerziell um sie ruhiger, was nicht zuletzt daran lag, dass ihre Alben teilweise auf Labels im Ausland erschienen, und sie nicht mehr auf Tourneen ging.

Bei ihrem aktuellen Album „Can’t Go Back“, welches 2012 erschien, schien sie die Lust auf Auftritte nun aber doch wieder gepackt zu haben. Seit dem Winter ist Tanita Tikaram damit auf Tour, und spielt nach Konzerten in England und Schottland nun auch eine Reihe von Gigs in Deutschland und der Schweiz. Passend zu ihren sehr intimen Liedern bespielt sie eher kleinere Venues, sehr zur Freude des Publikums. Wie beliebt Tanita Tikaram nach all den Jahren immer noch ist, davon konnte sich unsere Redakteurin  am 12. Mai in Münster überzeugen.

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Bei ihrem ersten Auftritt in der Stadt überhaupt präsentierte sich Tanita Tikaram im sehr vollem Hot Jazz Club in guter Stimmung. Wer sich aus den Achtzigern an eine eher melancholische junge Frau erinnerte, die oft die Augen beim Singen schloss, konnte überrascht sein von der selbstbewussten Musikerin, zu der sie geworden ist. Offen blickt sie ins Publikum, die Einführungen zu den einzelnen Liedern wirken vollkommen mühelos und unbeschwert; sie hat sichtbar Spass an diesem Abend. Unterstützt von ihrer fantastischen Band – Matt Radford am Bass, Bryan Day an der Gitarre und Martin Winning am Saxofon – spielte Tanita Gitarre und begleitete sich auch zwischendurch selbst am Klavier.

Gleich zu Beginn gab es für das erwartungsvolle Publikum das bekannte „Good Tradition“ und das ebenfalls rockige „World Outside Your Window“ von ihrem Debutalbum. Tikaram erzählte dann – den meisten Münsteranern sicher bekannt – dass sie ja in der Stadt geboren sei, aber nur ein knappes Lebensjahr dort verbrachte. Ihre Eltern würden sich aber immer noch gerne an die Zeit in Münster erinnern. Tanita Tikarams Vater war bei der britischen Armee und damals in Deutschland stationiert.

Danach folgten einige Lieder ihres aktuellen Albums, wie das aus dem großartigen, in New York City produzierten Video bekannte „Dust on my Shoes“ sowie „Make the Day“, und das titelgebende „Can´t go back“, ein Lied, das, wie sie erklärte, von der persönlichen Freiheit handelt, die man erfährt, wenn man die Vergangenheit loslässt.

Neben verschiedenen Klassikern wie „Play me again“, einer wunderschönen Pianoballade, die davon erzählt, wie es ist, in einer Beziehung nicht ausreichend zurückgeliebt zu werden, sich aber dennoch nicht lösen zu können, verzauberte insbesondere das grandiose „ One Kiss“. Dieses Duett mit Gitarrist Bryan mutet an wie ein romantisches Lied aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ist aber brandneu. Es ist ein hoffnungsvolles Stück darüber, wie auch schon eine erloschen geglaubte Liebe wieder aufleben kann, und wurde mit Begeisterung aufgenommen, ebenso wie Tanita Tikarams charmante Erklärung dazu, dass ja viele Ehen so seien, eben ein Auf und Ab. Weitere Highlights waren natürlich das obligatorische „Twist in my Sobriety“ und die Zugabe „Little Sister leaving Town“.

Was insbesondere auffiel, war die Tatsache, dass das Publikum im Hot Jazz Club – einer Location, die wie gemacht zu sein schien für dieses intime Konzert – nicht nur bei den großen Hits Begeisterung zeigte, sondern auch die neuen Stücke geradezu feierte.  Dieses dürfte keine Selbstverständlichkeit sein bei einer Künstlerin, die sich so rar gemacht hat wie Tanita Tikaram und vor dieser Tour zuletzt vor ca.18 Jahren in Deutschland auftrat. Die gute Stimmung dürfte nicht zuletzt ihrer Band zu verdanken sein, allesamt Ausnahmemusiker erster Güte, die immer wieder großen Applaus erhielten, insbesondere Martin Winning am Saxophon, z.B. für sein grandioses Solo beim Song „Rock´n´Roll“.

Tanita Tikaram überraschte an diesem Abend nicht nur mit ihrer unglaublichen Bühnenpräsenz – wenige Künstler können so eine Aura verbreiten – sondern vor allem auch mit ihrer lockeren Art und ihrem Humor. Immer wieder erzählte sie selbstironische Anekdoten über sich und das Leben, und brachte so das Publikum zum Lachen. Als Einleitung zum rockigen Titelstück des neuen Albums „All Things To You“ z.B. beschrieb sie, wie aussichtslos sie es manchmal anstelle, wenn sie versuche, jemanden zu umwerben, deshalb habe sie ein Lied darüber: „This is my sexy song“. Britischer Humor der besten Art, und eher unerwartet von einer Musikerin, die früher vor allem für ihre Schüchternheit bekannt war.

Viel ist bereits geschrieben worden über ihren Musikstil, der von vielen als Singer-Songwriter und Folkpop oder auch als jazzig bezeichnet wird, einige hören sogar mittlerweile Country-Elemente heraus. Festzuhalten bleibt, dass es keine andere mir bekannte Band schafft, bei einem Live-Auftritt, der nur mit akustischen Instrumenten und ohne Schlagzeuger bestritten wurde, auch nur annähernd eine solche Energie im Raum aufzubauen. Sicherlich lag die tolle Atmosphäre auch am kleinen Venue, das  eine andere Dynamik zuließ als eine große Halle und außerdem für eine Temperatur sorgte, die nicht nur  Gitarrist Bryan Day den Schweiß auf die Stirn trieb. Am Ende kann man sich des  Eindrucks nicht erwehren, dass Tanita Tikaram, unterbrochen von ihren wunderschönen Balladen (und dem bekannten „Love is in the Air“)  in Münster quasi  eine Rock´n´Roll Show gespielt hat. Und zwar eine grandiose.

Tanita Tikaram ist, wie sie selbst bekennt, immer noch aufgeregt vor Auftritten, aber das sei, wie sie sagt, eine gute Sache, weil man sich dann mehr engagiere. Das hat sie getan an diesem Abend, und zwar nicht nur auf der Bühne, sondern auch danach, als es für alle noch Autogramme gab sowie Fotos mit der Künstlerin, die für viele das größte Geschenk gewesen sein dürften. Alles in allem ein rundum gelungener Auftritt, der vielen noch lange im Gedächtnis bleiben dürfte.

Wer Tanita Tikaram live erleben möchte, hat dazu noch bis zum 19. Mai Gelegenheit, alle Venues finden sich auf www.tanita-tikaram.com, und es gibt noch einige Karten. Wer hingehen möchte, sollte sich diese Tour nicht entgehen lassen. Denn nicht nur sind ihre Performances absolut einzigartig, sondern – wie die Vergangenheit zeigt – auch eine eher seltene Gelegenheit.

© RCR Anna K.

17. Mai Herford

18. Mai Kassel

19. Mai Dresden

19. Juli Mannheim

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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