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Swanlake Reloaded, Foto: Mats-Baecker
Swanlake Reloaded, Foto: Mats-Baecker

Swan Lake Reloaded – Schwanensee in bunter, moderner und visionärer Inszenierung

80 Minuten lang konnte man gestern Abend in der Frankfurter Jahrhunderthalle die Neuadaption des Ballett-Klassikers schlechthin, Schwanensee, bestaunen. Moderne Rhythmen zu klassischen Melodien  und futuristisch angehauchtem Bühnenbild versprachen dabei einen unterhaltsamen Abend. Der Grundgedanke der Geschichte von Prinz Siegfried, Schwan Odette und König Rotbart blieb erhalten, wurde aber vollständig  in die heutige Zeit – mit futuristischen Elementen– versetzt.

Prinzessin Odette und ihre Schwäne werden dabei als heroinabhängige Prostituierte inszeniert, König Rotbart als ihr Zuhälter. Auch Prinz Siegfried bleibt dabei mit blauem Anzug, Pistole und Brautschau auf dem Laufsteg nicht in der Vergangenheit zurück.

Beeindruckend genau wurden die Bewegungen der Tänzer von Choreograph Frederik Rydman aufeinander – und natürlich zur Musik – abgestimmt. Bis in die Fingerspitzen waren die Tanzszenen durchchoreographiert und gaben dem Spektakel so sogar noch eine schauspielerische Komponente mit auf den Weg. Die Emotionen der verkörperten Figuren waren zu jeder Sekunde, trotz der körperlich anstrengenden Leistung, in der Körpersprache und Mimik der Tänzer zu lesen und ließen einen von Anfang an mit der Geschichte mitfiebern.

Besonders hervorgestochen hat dabei die tänzerische Leistung von Daniel Koivunen (Rotbart), der den Blick der Zuschauer ab der ersten Sekunde an seine Bewegungen fesselte. Faszinierend ausdrucksstark verkörperte er König Rotbart in schwarzem Lederanzug und mit wild toupierten Haaren. Daher hätte man die Eröffnungsszene, in welcher er in wilder Entschlossenheit „seine Mädchen“ per überdimensional eingebeamten Touchpad zu sich bestellt, nicht passender auswählen können.

Swanlake Reloaded, Foto: Mats-Baecker
Swanlake Reloaded, Foto: Mats-Baecker

Auffällig gelungen war auch das Bühnenbild, welches ständig wechselte und in die Choreographien mit eingebaut wurde. Aber auch die Tänzer selber wurden zum Teil des Bühnenbilds – unter anderem als eine menschliche Treppe, über welche Siegfried in die Welt hinausschreiten konnte, um seine große Liebe zu finden. Dabei wechselten die Farben immer wieder zwischen der quietschbunten Welt des Königshauses zur trostlos grauen Industrie-Umgebung der Prostituierten.

Zum Schluss dann ein gezielter Schuss vom Prinzen auf den Bösewicht – den er jedoch natürlich nach der Geschichte von Schwanensee nicht treffen darf. Und so kommt es, dass Rotbart behände zur Seite springt und Siegfried eigenhändig seine neugewonnene bessere Hälfte Odette mit der Kugel erschießt. Ein lauter Knall, eine Federexplosion, ein stiller Rums und es ist klar: Das Spiel ist aus.

Ein paar dramatische Sekunden später ist das schnelllebige Spektakel dann auch beendet, und das Publikum gibt dem Ensemble begeistert Standing-Ovations. Einen schönen Abend hat das Team den Zuschauern also definitiv beschert – wobei die bekennenden Ballett-Fans unter ihnen wohl ein wenig die klassische Komponente des Stücks vermissten. Denn von Tchaikovskys Meisterwerk blieben schlussendlich nur noch einige Ausschnitte aus seinen bekanntesten Melodien über. Im Tanz hingegen wurde jedoch kaum auf die klassischen Elemente des Balletts zurückgegriffen, sodass sich mancher  hier und da wenigstens eine gestreckte Fußspitze herbeiwünscht hätte.

Dennoch ist dem Ensemble mit der Inszenierung im Gesamtpaket eine großartige Leistung gelungen und bringt für Fans des modernen Tanzes definitiv einen neuen leuchtender Stern an den Choreographien-Himmel. Kurzlebig, bunt, mitreißend, faszinierend –mit genau diesen bleibenden Eindrücken haben wohl am Ende die meisten Zuschauer glücklich die Jahrhunderthalle verlassen.

© RCR Karolin vom Dahl

Vorstellungstermine in der Frankfurter Jahrhunderthalle:

05.03. 20 Uhr,

06.03. 20 Uhr,

07.03. 20 Uhr,

09.03.15 Uhr & 20 Uhr,

10.03. 14 Uhr

Weitere Termine:

12.-17.2.2013 Essen, Colosseum Theater

19.-24.2.2013 Berlin, Admiralspalast

26.2.-3.3. 2013 Wien, halle E im Museums Quartier

12.-17.3.2013 München, Prinzregententheater

Titelbild: © Mats-Baecker

 

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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