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Interview mit Produzent David Groenewold zu „Adolf – der Film“

Trotz des Internets ist eine wichtige Meldung in vielen Teilen des Landes noch nicht angekommen: Der Führer ist zurück! Bevor der Aufschrei groß ist – keine Sorge – Deutschland bleibt weiterhin demokratisch. So demokratisch, dass der Führer beschlossen hat, für die Verfilmung der legendären „Adolf“-Comics von Walter Moers auf Tuchfühlung mit seinen Fans zu gehen und per Crowdfunding Spenden zu sammeln. Unter www.adolf-online.com könnt ihr euch eines der vielen Filmpakete sichern und zum Beispiel bald eine der kultigen Adolf-Gummienten euer eigen nennen. Wir konnten mit Produzent David Groenewold ein Gespräch zum Thema Crowdfunding und „Adolf – der Film“ führen.

Crowdfunding ist international eine sehr erfolgreiche Möglichkeit, ein Projekt nicht nur zu finanzieren sondern auch bekannt zu machen. In Deutschland steckt dieses Mittel in den Kinderschuhen. Was für Erwartungen hegen Sie?

Wir haben uns bewusst dafür entschieden und sehen es sozusagen als Begleitmusik der Filmfinanzierung. Am Anfang ist es Marketing, aber es kann – und daran glauben wir – ein fester Bestandteil der Finanzierung werden. Da ich nicht nur als Filmproduzent sondern auch als Filmfinanzierer tätig bin, geht es oft darum, wo das Geld herkommt. Ich sage oft: Film ist wie Hausbau. 80-90 % bekommen Sie ohne Probleme zusammen, aber die letzten 10 % werden knifflig. Und für diese Schlussfinanzierung kann gerade Crowdfunding gut und wichtig sein.

Es gab bisher drei verschiedene Finanzierungsstufen, die von Fans ausgewählt werden konnten. Wie sieht ihre Bilanz im Moment aus?

Zu Beginn dachte ich, dass der Wertungsansatz in vielen kleinen Zahlungen liegen würde, aber das stimmt nicht ganz. Die Leute haben Lust auf Gimmicks und zahlen dafür gerne etwas mehr, wenn ihnen erklärt wird, was genau sie dafür bekommen und natürlich wohin das Geld fließt. Es gibt nun sechs weitere Pakete zur Auswahl. Wir hoffen natürlich, dass das Crowdfunding wie ein „Perpetuum Mobile“ an Fahrt gewinnt, Freunde anderen Freunden davon erzählen und dadurch eine Dynamik entsteht, die wir für den Film nutzen können. Es lassen sich so zum Beispiel Fehler vermeiden, weil wir von Anfang an auf die Fans hören und Kontakt zu ihnen haben können.

Wie sieht die aktuelle Arbeit an „Adolf – der Film“ aus?

Im Hintergrund wird fleißig am Film gearbeitet und wir sind guter Dinge, im Frühjahr einen Verleiher verkünden zu können. Die internationale Kampagne läuft ebenfalls an und dafür wollen wir uns bei den 1.200 Crowdfundern bedanken. Diese bekommen eine der ADOLF-Gummienten zugeschickt, die von vielen Fans als Gimmick gewünscht wurde und nun in einem Paket drin ist. Und ab Mai können wir einige spannende Co-Produzenten bekanntgeben.

Wie haben denn die internationalen Investoren auf das Material reagiert? Immerhin ist Adolf Hitler und die Nazi-Zeit ein heikles Thema.

Ich habe vier Jahre in London gelebt, und es ist immer noch meine Traumstadt. Der Humor der Engländer in Bezug auf die Nazizeit ist sehr eigen. Die Engländer verstehen den Witz sofort – bei den Amerikanern ist es schwieriger, obwohl das Feedback immer gut war. Durch Thomas Pigor (der Stimme von Adolf) sind wir in der Lage, den Film so zu animieren, dass wir ihn auf deutsch, englisch und französisch ins Kino bringen können. Für uns ist das von vornherein ein internationales Projekt.

Sie erhoffen sich also auch einen internationalen Erfolg?

Als wir 2008 aufgehört habe, die Zuschauer der Clips in den diversen Kanälen zu zählen, haben ihn über 20 MIllionen Leute angesehen. Wir haben „Adolf“ aus gutem Grund in 16 Sprachen gemacht – unter anderem hebräisch. Israelische Freunde haben die Synchro eingesprochen und finden das ganz toll. Für sie ist es sehr interessant und vor allem auch befreiend, darüber lachen zu können, weil sie in derselben Situation sind wie viele Deutsche. Das Thema erschreckt sie, drückt auf die Seele und gerade dann ist es gut, einmal herzlich darüber lachen zu können.

Apropos deutsch – welche Reaktionen erwarten Sie hier?

In Deutschland gibt es eine Art morbide Faszination für das Dritte Reich und den Dämon, der das Land damals befallen hat. Die Ernsthaftigkeit des Erinnerns darf niemals verneint oder relativiert werden, aber man kann über die Lächerlichkeiten dieser Dinge einen komischen Film machen. Wenn Sie moderne, ideologisch-militaristische Systeme betrachten, denken Sie zuerst: Das ist lächerlich. Über diese Verbissenheit dessen hat sich schon Charlie Chaplin lustig gemacht und das können wir auch.

 

Also soll der Film durchaus eine Wirkung über die Lachmuskeln hinaus haben?

Definitiv. Wenn ich einen 14-jährigen aus dem Kino gehen sehe und der macht Adolf nach, lächerlich nach, dann habe ich die Hoffnung, dass er in seinem Herzen schon begriffen hat, dass dies die größten Idioten der ganzen Welt waren. Menschen, die so denken und die das ernst meinen. Was für schlechte Menschen das waren, die meinen, andere wegen ihrer Hautfarbe ausgrenzen zu können. Solche Leute werden in jungen Jahren sozialisiert und wenn sie mit anderen Kindern etwas finden, worüber sie gemeinsam lachen können – diese Lächerlichkeit des Rassismus – dann hoffe ich auf eine Gruppendynamik. Dass in den Herzen dieser jungen Leute Platz geschaffen wird für mehr Empathie und Gerechtigkeit. Eventuell trägt zu diesem Sandberg an Haltung, die versucht wird zu vermitteln, „Adolf – der Film“ ein Sandkorn bei.

Die bisherige Story ist sehr umfangreich – es scheint als ob aus allen Bereichen Einflüsse dazukommen.

Korrekt. Wir haben ein Storyboard, das ist über 1000 Seiten lang. Wir überarbeiten es selbst jetzt noch, da wir von den Fans klare Hinweise bekommen haben, dass sie bestimmte Dinge aus den Comics mit im Film haben wollen. Deshalb modifizieren wir es stellenweise und sagen: „Das kommt noch mit rein.“ Das geht vor allem dadurch, dass Adolf ähnlich wie Borat angelegt ist. Wir nehmen einen Charakter mit seinen festen Vorurteilen, stecken ihn in eine komplett andere Umgebung und schauen was passiert.

Waren Sie durch den ersten Clip an 3D gebunden oder was war letzten Endes der Grund, sich gegen 2D zu entscheiden?

Wir könnten den Film sicher in 2D für weniger Geld animieren, aber es lohnt sich nicht. Die gezeichneten Comics sind natürlich schön und lustig, aber wir richten uns eher an ein erwachsenes Publikum, ab 15-18 und aufwärts. Ich denke nicht, dass wir diese Leute ins Kino bekommen, wenn die Optik einem Kinderfilm ähnelt – das funktioniert nicht. Ob wir „Adolf“ in richtigem 3D herausbringen, ist noch eine Überlegung wert. Aber da stellt sich die Frage, ob das Publikum den Unterschied registriert. Das klappte bei Avatar etc., wo die Zuschauer in eine andere Welt eintauchen sollen, aber das wollen wir gar nicht. Eine gewisse Distanz soll schon da sein, damit die Leute unbeschwert darüber lachen können.

Woher kommt ihr sehr gutes Verhältnis zum „Adolf“-Schöpfer Walter Moers?

Er ist ein Genie darin, Leute zum Lachen zu bringen, und das ist das Schwierigste überhaupt ist. Es wäre fatal, wenn man dem in der Ausführung nicht mit einer wertigen Qualität gerecht werden würde. Ich bin ein großer Freund davon, wenn Künstler eine Vision haben, der man als Finanzier so weit wie möglich folgen muss und kann. Walter Moers ist jemand, der einfach einen 100 mal besseren Geschmack hat als ich. Wenn er sagt „Das muss so und so sein“, dann sage ich „Okay, machen wir so.“ Da gibt es keine Diskussionen.  Eine meiner Lebensaufgaben besteht im Grunde darin, Walter Moers ins Kino zu bringen. Da bin ich ehrlich gesagt ein wenig besessen. (lacht)

Was wäre denn ein Traumprojekt, welches Sie noch verwirklichen wollen?

Mein Traumprojekt nach und parallel zu Adolf ist „Die Stadt der träumenden Bücher“. Das ist mein Lieblings-Zamonienroman von Walter Moers. Darüber habe ich mit ihm das allererste Mal vor neun Jahren gesprochen, damals war 3D noch so teuer und heute ist es bezahlbar. Dennoch können Sie solche Fantasy-Stoffe nicht mit acht Millionen produzieren, da müssen es schon 25-30 Millionen sein. Das geht nur international.

Vielen Dank für das Interview!

© RCR Enrico Seligmann

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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