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Der andere Blick auf die Mode

Die Ausstellung „MehrWert“ zeigt junge Berliner Modefotografie.

Die Frau ist im Profil, das blonde Haar streng nach hinten gelegt, der schmale Oberarm erstaunlich definiert. Es ist eine schöne Frau mit Charakternase, Typ Cate Blanchett, hart ausgeleuchtet und in schwarzweiß fotografiert. Fast unbemerkt rückt auf den dritten Blick ein Stück Reifen in den Fokus: Die Frau sitzt im Rollstuhl.

Marc Wellmann spielt in seiner Porträtserie „HUMANS“ sehr eindrucksvoll mit Licht und Schatten, hebt Details hervor, lässt andere im Dunkeln und gibt dem Betrachter die Möglichkeit, den Faden selbst weiter zu spinnen. Was gibt der/die Porträtierte preis, was nicht? „HUMANS“ ist Teil der Ausstellung der „Neuen Schule für Fotografie“, die mitten in der Berlin Fashion Week eröffnete.

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Und das passt gut, denn „MehrWert. Modefotografie – der andere Blick“ will weniger den werbenden Blick auf Schönheit und die Inszenierung glatter Oberflächen lenken. Das „Experimentelle“, das den Alltag übersteigt, so Kurator Professor Manfred Schmalriede, sei in den Arbeiten der Studenten und Absolventen zu finden. Zentral sei hier die Frage, ob und wie Modefotografie „über ihren Zweck, Kleidung zu bewerben, hinausgeht.“

Die Antwort auf diese Frage bleibt zwar weitgehend aus, dazu sind die Aussagen oft zu wenig gewagt und bedienen ach gern mal bekannte Ausdrucksformen. Sehenswert ist die Ausstellung allemal, denn sie versammelt einundzwanzig unterschiedliche und interessante junge Positionen zum Thema Mensch und Mode.

Unbedingt zu nennen sind die Fotos von Kichun Park. In „Not even the Map Village“ werden die (recht abstrakten) Looks der Designerin Sojin Park ins Absurde gesetzt: Das Model steht starr und steif wie ein Zinnsoldat, der Stoff, mehr Uniform als Kleid, droht sie zu verschlucken.

MehrWert-KichunPark-NoteventheMapVillageKichunPark – Not even the Map Village

Sophie-Teresa Weicken steckt ihr Model in Felljacken und Pelzmäntel vor wucherndem Grün. Das sieht wild-sexy aus, nach Berlin-Party, schön abgeschabt. Stefanie Schmid Rincon porträtiert „Alizee“ als herbe Schönheit, und läßt an den düsteren Stil der späten 80er denken, wie er in der Ostberliner Modezeitschrift „Sibylle“ gefeiert wurde.

In Dirk Hoffmanns Porträts trägt das Model sein Haar wunderbar altmodisch – in Wasserwellen dicht an den Kopf gelegt – an erinnert so an die entrückten Frauenbilder der 30er Jahre: Melancholisch, erotisch und so, als wären sie nicht von dieser Welt.

MehrWert_DirkHoffmann_pugnat_caprea_17Dirk Hoffmann – pugnat caprea

  „MehrWert“, Neue Schule für Fotografie, bis 14. September, www.neue-schule-berlin.com

© RCR Jana Sittnick

Titelbild: © MarcWellmann – Human1200

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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