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Der Glamour von Brooklyn

Die Ausstellung „Supermodels – Then and Now“ in der Galerie Camera Work in Berlin

Es waren die 90er, und es war ihre Zeit: Christy Turlington, Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz und Cindy Crawford. Sie waren die Supermodel-Ur-Besetzung, so wie sie Peter Lindbergh im Januar 1990 als Girl-Gang aus der Taufe hob. Für das Cover der britischen Vogue schoss Lindbergh vor abgeschabter Brooklyn-Kulisse in New York eine Fotoserie, die seinen Ruhm (und den der Models) begründen sollte. Und mehr noch – sie sollte die Supermodels als Ikonen der Popkultur etablieren.

Die Berliner Galerie „Camera Work Contemporary“ zeigt das Phänomen in der Gruppenausstellung „Supermodels – Then and Now“. Sie versammelt über 150 Arbeiten weltbekannter Fotografen, darunter auch einige selten gezeigte Fotos aus Privatbesitz. Die Bilderpracht ist groß und die Liste der Künstler auch: Ellen von Unwerth, Anton Corbijn, Helmut Newton, Herb Ritts, Annie Leibovitz, Irving Penn, Bettina Rheims und viele mehr.

Die Ausstellung zeigt verschiedene Ansätze und Ausdrucksformen. Sie spannt den historischen Bogen von den 40ern bis in die Gegenwart und geht über die erwähnte First Generation von Lindbergh hinaus. Und vor allem zeigt sie, was das Supermodel von der Werbeträgerin unterscheidet: Die Person mit Aura und Charakter, die nicht mehr nur Klamotten bewirbt, sondern zur eigenen Marke wird, und das kollektive Gedächtnis prägt.

So sehen wir Claudia Schiffer, die in den Neunzigern zu den meist fotografierten Models gehörte, und wir sehen nicht die Jeans, die sie trägt. Oder Kate Moss, die mit ihrem „Heroin Chic“ den Schönheitsidealen widersprach und damit berühmt wurde. Und bei Iman und Waris Dirie aus Somalia und bei Alek Wek aus dem Sudan, die 1997 als erste Afrikanerin auf das Cover der Elle kam, ändert sich dann auch der kulturelle Blick.

Starfotograf Michel Comte inszeniert die Models als fremde schöne Wesen – oft mit einem spannenden Bruch: Eva Herzigova (in Armani) plaudert mit einem Kaffeelieferanten in New York, Alek Wek trägt signalrote Wickelsandalen und sonst fast nichts, Helena Christensen bleibt unretuschiert, mit Achselhaarstoppeln und Augenringen. Die Guess-Kampagne von Ellen von Unwerth zeigt Claudia Schiffer als mysteriöses Western-Girl – sexy und cool.

Was gab es in der Zeit vor den Supermodels? Überladene Bildinszenierungen aus den 50ern, in denen die Models starr sind wie Puppen. Veruschka vor einer Afrika-Safari-Kulisse in den 60ern, mit erlegtem Nashorn zu ihren Füßen. Und Richard Avedon, der sein Model Jean Shrimpton, neben Twiggy eine der London-Ikonen der 70er, einbettet in die geometrische Strenge ihrer Outfits, und so einen fast körperlosen Effekt erzeugt.

Auch die Nachfolgerinnen der Supermodels sind zu sehen: Tyra Banks (phänomenal im roten Badeanzug für Sports Illustrated), Gisèle Bündchen, Alessandria Ambrosio, Natalia Vodianova, Toni Garrn. Auch sie sind schön, reich und berühmt. Aber den Glamour, der 1990 in Brooklyn hervor gebracht wurde, den haben nur Cindy, Naomi & Co.

Ausstellung bis 6. September, Galerie Camera Work

http://www.camerawork.de/

© RCR Jana Sittnick

Fotos © Galerie Camera Work

Titelbild: Courtesy of CAMERA WORK

 

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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