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Von einer abenteuerlichen Kindheit zur Schauspielerei – Interview mit Anna Ewelina

Bereits mit vier Jahren entdeckte Anna Ewelina das Interesse an der Schauspielerei und schlüpfte seit dem Kindergarten in andere Rollen. Sie hat in bekannten ARD Serien mitgespielt, in US-Serien Synchron gesprochen u.v.m. Unser Redakteur traf sie in München zum Interview. 

1985 wurdest du in Polen geboren und bist vier Jahre später nach Deutschland ausgewandert, wie war für dich deine Kindheit?

Meine Kindheit empfand ich als ein großes Abenteuer, gerade weil ich ausgewandert bin. Einfach in ein anderes Land zu gehen, wo eine andere Sprache gesprochen wird, war für mich damals richtig spannend!

Für welchen Star hast du als Teenager am meisten geschwärmt?

Ich war ein riesengroßer Bon Jovi Fan, das hat sich auch heute nicht geändert. Seit meinem vierzehnten Lebensjahr höre ich Bon Jovi, und ich liebe vor allem die alten Songs der Band. Ich muss ganz ehrlich sein: Ich würde Jon Bon Jovi auch wahnsinnig gerne mal treffen wollen! (lacht)

Wann und wie hast du festgestellt, dass du dich für fremde Kulturen, Sprachen und das Schauspielen interessierst?

Der Ursprung war das Auswandern. Ich war plötzlich in einer ganz anderen Umgebung und musste eine Sprache lernen, die ich vorher nicht gesprochen habe. Und das war ja schon quasi die erste fremde Kultur, die mir damals begegnet ist, als ich als Polin nach Deutschland kam. Wir sind zudem als Kinder – ich habe ja noch eine Schwester – immer unheimlich viel gereist. Wir waren in Indien und in vielen anderen Ländern. Ich fand das als Kind wahnsinnig aufregend, an fremden Orten zu sein, eine andere Sprache zu hören, eine andere Kultur mitzuerleben. Und das hat mich mitunter glaube ich auch zur Schauspielerei gebracht, weil ich plötzlich jemand anders sein konnte oder etwas ausprobieren konnte, was ich so noch nicht kannte.

Trotz deines Interesses für die Schauspielerei machtest du erstmal ein Voice Coaching, Wie kam es denn dazu?

Die Musik kam eigentlich noch vor der Schauspielerei. Ich habe zwar schon im Kindergarten Theater gespielt, aber als ich auf das Gymnasium ging, hatte ich die Schulband für mich entdeckt und dort gesungen. Daraufhin wurde ich auf das Voice Coaching zur Musikakademie in Hammelburg geschickt und das war eine super Erfahrung. Ich habe gelernt, was man mit der Stimme alles machen kann. Davon profitiere ich heute noch beim Synchronsprechen. Erst war die Musik mein Mittelpunkt, doch dann hat sich heraus kristallisiert, dass mich die Schauspielerei doch mehr reizt.

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2004 hast du dann deinen Traum verwirklicht und eine Schauspielausbildung gemacht, wie hast du diese Zeit erlebt?

Es war eine sehr anstrengende Zeit, weil während des Schauspielstudiums sehr viel verlangt wird. Man muss viel leisten, viel auswendig lernen, kommt an seine Grenzen und entdeckt Seiten an sich, die man vorher vielleicht gar nicht kannte. Dabei fand ich das Fach Theatergeschichte sehr spannend. Zu erfahren, wie das Theater eigentlich entstanden ist und wie es sich entwickelt hat in den letzten Jahrhunderten. Eine Erfahrung, die mir auch noch sehr prägnant im Kopf geblieben ist, war der Ballettunterricht. Ich habe vorher nie Ballettunterricht gehabt und musste dann mit 19 anfangen, Ballett zu tanzen. Das war extrem anstrengend!

Du hast nebenbei noch in einer Band gesungen, vermisst du das Singen?

Ja, ich vermisse es! Wir hatten damals eine Band, die hieß „Sechs on the Beach“! (lacht) Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, Musik zu machen.

Einige Schauspielkollegen machen zusätzlich noch Musik, hast du darüber schon einmal nachgedacht, oder kommt das für dich nicht in Frage?

Doch, immer wieder mal. Ich arbeite gerade auch an einem kleinem Musikprojekt der etwas anderen Art. Da gibt’s bald was zu hören. Ich kann definitiv nicht ohne Musik leben, das ist ein großer Teil in meinem Leben.

2010 und 2012 studiertest du bei MK Lewis in Los Angels, was war daran so besonders?

MK Lewis war ein fantastischer Mensch. Was uns verbunden hat war, dass er polnische Wurzeln hatte, und das schweisst einfach noch mehr zusammen. Außerdem sind viele Lehrer der Meinung, sie müssen Schauspieler erst einmal brechen und dann wieder zusammenflicken. Und genau dieser Ansicht war MK Lewis nicht. Er ist seinen Schülern immer auf Augenhöhe und sehr respektvoll begegnet, und ich habe unheimlich viel bei ihm gelernt. Er war ein unglaublicher Mensch mit einem ganz, ganz großen Herzen. Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn kennenlernen und so lange mit ihm arbeiten durfte.

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Du hast schon in vielen Filmen und Serien, die man kennt, mitgespielt, was war für dich der coolste Dreh?

Was ich besonders spannend fand, waren die Dreharbeiten zu einer Folge von „Um Himmels Willen“. Da habe ich einen Stunt Trainer bekommen, weil ich hinterrücks und total ahnungslos in einen Swimmingpool gestoßen wurde, da ich eine sehr intigrante Rolle gespielt habe… und das kam in diesem Moment raus. Beim Stunt Training habe ich gelernt, wie man richtig in ein Schwimmbad fällt, ohne sich am Beckenrand zu verletzten. Das lustige war: Es werden ja immer mehrere Aufnahmen gemacht, aus verschiedenen Blickwinkeln, in verschiedenen Größen. Deshalb musste ich jedes mal nach dem Stunt ganz schnell wieder aus dem Wasser raus, die nassen Klamotten ausziehen, schnell die Haare föhnen, wieder in die Maske, frische Klamotten anziehen und das Ganze wieder von vorne. Das haben wir dann zehn mal gemacht, das hat echt Spaß gemacht!

Was wolltest du schon immer mal spielen?

Ich würde gerne mal in einem historischen Film mitspielen. So um 1800 mit ganzen tollen Kleidern und Kostümen, vielleicht auf einem Pferd durch die Wälder reiten? Oh ja, das fände ich toll!

Mit welchem Schauspieler würdest du gerne mal in einem Film spielen?

Jürgen Vogel, ganz klar.

Film vs. Theater, was gefällt dir besser und wieso?

Ich habe viel Theater gespielt, das vermisse ich auch sehr. Beim Theater hat man einen „Live Moment“, man kann nicht sagen „Stopp, machen wir nochmal“, wie das eben beim Film ist. Man hat einfach diesen „Live Kick“. Jeder Zuschauer, egal an welchem Tag er in die Vorstellung kommt, muss eine zu 100% perfekte Vorstellung bekommen. Und das ist die große Herausforderung beim Theater. Film ist ein ganz anderes Arbeiten, es ist etwas minimalistischer als das Theater, man kann den Take wiederholen. Aber es macht beides Spaß. Ich mag beide Arbeitsweisen und könnte mich gar nicht entscheiden!

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Du sprichst auch regelmäßig Synchron, was macht dir daran so Spaß?

Was mir daran Spaß macht, ist die Herausforderung einer Figur allein über die Stimme Leben zu geben. Man hat nicht die Umgebung in der sich die Figur befindet, sondern steht in einem dunklen Raum, und es muss wirklich alles über die Stimme gehen.

Du engagierst dich für den Bundesverband Schauspiel (BFFS), welche Aufgaben hast du dort und wieso ist das für dich wichtig?

Ich finde es ganz wichtig, dass unser Berufsbild genauso fair behandelt wird wie alle anderen Berufe. Und bevor es den BFFS gab, war das nicht ganz so rosig wie es jetzt ist. Unser Verband kämpft u.a. dafür, dass die Schauspieler Rechte bekommen, die andere Arbeitnehmer auch haben. Ich persönlich engagiere mich für die Altersvorsorge. Denn ich finde es ganz wichtig, sich zu fragen: wovon kann ich leben, wenn ich in Rente gehe und altersbedingt nicht mehr arbeite möchte? Deshalb engagiere ich mich für die Altersvorsorge für Schauspieler, damit auch jeder später etwas hat.

Was machst du, um einfach mal vom Beruf abzuschalten?

Ich bin gerne draußen unterwegs, gehe wandern, jogge, fahre Fahrrad. Aber am allerbesten kann ich abschalten, wenn ich reise und das tue ich für mein Leben gern! Auch wenn es nur drei, vier Tage sind, mal zwischendurch kurz weg fahren, das finde ich toll. Das ist für mich wirklich abschalten. Da ist dann auch das Handy aus, und ich lese keine Emails.

Wo kann man dich in München treffen?

Im Hans im Glück in der Türkenstraße. Ich liebe Burger, und die machen wahnsinnig leckere, da bin ich oft.

Wo bist du demnächst zu sehen bzw. zu hören?

Ihr könnt mich das nächste mal am 5. November in der ARD sehen, in der neuen Staffel von „München 7“. Regie führte Franz Xaver Bogner, und die Dreharbeiten waren sehr lustig! Zu hören bin ich aktuell im Kino. In „When Animals Dream“, einem skandinavischen Mystery – Thriller gebe ich der Hauptrolle Marie meine deutsche Stimme. 

Vielen Dank für das Interview!

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© RCR Yannik Bikker

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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