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Ode an die Schauspielkunst: Die Verleihung des Deutschen Schauspielerpreises 2014

In der hiesigen Award-Landschaft ist der Deutsche Schauspielerpreis einzigartig, denn er wird von Schauspielern für Schauspieler vergeben. Bereits zum dritten Mal fand die Preisverleihung während der Berliner Filmfestspiele statt. Im Stage Theater des Westens ehrte der Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) am Montagabend jene Personen der deutschsprachigen Schauspielbranche, deren Schaffen im vergangenen Jahr in besonderer Weise inspirierend war.

Die Österreicherin Julia Koschitz wurde als beste Schauspielerin in einer Hauptrolle (ZDF-Film „Pass gut auf ihn auf!“) ausgezeichnet. Der Preis für die beste männliche Hauptrolle ging ebenfalls an einen Österreicher: Klaus Maria Brandauer überzeugte die zehnköpfige Jury mit seiner Darstellung eines Alzheimer-Kranken in „Die Auslöschung“. Brandauer, der bereits seit 52 Jahren als Schauspieler arbeitet, freute sich über den Preis „wie ein Schneekönig“.

Dass sich die Qualität eines Films nicht immer in den Hauptrollen, sondern oft auch in den Nebenrollen entscheidet, und die Bezeichnung „Nebenrolle“ der Bedeutung oft nicht gerecht wird, darüber waren sich die Filmschaffenden im Saal einig. In jener wichtigen Kategorie wurde Christine Schorn für ihre laut Jury „sehr berührend[e]“ Rolle in „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ geehrt. In ihrer Dankesrede äußerte die 70-Jährige den Wunsch, „dass die Schauspielkunst nicht in eine Beliebigkeit abdriftet“. Der Wiener Burg-Schauspieler Michael Maertens wurde für seine Nebenrolle in der Kinoproduktion „Finsterworld“ ausgezeichnet. Bei der Entgegennahme des Preises witzelte Maertens: „Man arbeitet drei, vier Tage in der Sonne und bekommt gleich so einen Preis. In dreißig Jahren Theater habe ich das nicht geschafft!“

Zum besten Nachwuchsschauspieler wurde Julius Feldmeier („Tore tanzt“) gekürt. Seine 21-jährige Kollegin Emilia Schüle erhielt den Nachwuchspreis für ihre Rolle im Tatort „Wegwerfmädchen“. Arnd Klawitter, der Dankesreden heimlich unter der Dusche übt, gewann in der Kategorie „Bester Schauspieler in einer komödiantischen Rolle“. Den Preis in den Händen haltend gab er zu: „Obwohl ich eigentlich keine Gefühle habe, bin ich doch gerührt.“ Als beste Darstellerin in einer komödiantischen Rolle reüssierte Gisela Schneeberger.

Mit der Kategorie „Starker Auftritt“ sollte den Darstellern gehuldigt werden, deren Parts zu klein für eine Nebenrolle waren  –  „Juwelen, die einen Film zum Glänzen bringen“, wie die Laudatorin Jasmin Tabatabei sie beschrieb. Florian Teichtmeister konnte mit eben jenem starken Auftritt in „Spuren des Bösen  –  Racheengel“ einen Preis ergattern. Die Jury um Robert Stadlober würdigte außerdem die Teams von „Weißensee“ und „Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ als bestes Ensemble für TV-Serie bzw. Film.

Senta Berger, die Grande Dame des deutschen Schauspiels, wurde für ihr Lebenswerk geehrt. Aus gesundheitlichen Gründen musste ihr Schauspieler-Kollege Rudolf Krause den Ehrenpreis für sie entgegennehmen.

Mit dem „Ehrenpreis Inspiration“ wurde Günter Rohrbach ausgezeichnet, der den Beruf des Schauspielers „aus Gründen der Selbsteinsicht nie ergriffen“ hat. Der Film- und Fernsehproduzent („Das Boot“, „Aimée und Jaguar“) war – an der Seite von Senta Berger – auch erster Präsident der Deutschen Filmakademie, der Wiege des BFFS. Günter Rohrbach appellierte an die Gäste: „Es ist wichtig, dass gekämpft wird, denn sonst wird es nicht weitergehen mit der Filmerei.“ Dass sich der Kampf lohnt, zeigt der neue Schauspielertarifvertrag, der am 1. Januar 2014 in Kraft trat. Dieser schreibt u.a. eine Einstiegsgage für Schauspielerinnen und Schauspieler vor.

Im Anschluss an die knapp vierstündige Preisverleihung folgten die Gäste der Einladung zum Empfang. Bei Mojito und Brezelstangen kamen Preisträger, Freunde und Film-Kollegen im prunkvollen Spiegelsaal des Theaters zusammen.

© RCR Judith Werdin

© RCR René du Vinage

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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