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„Quatsch in English“ präsentiert den irischen Comedian Tommy Tiernan

Am Anfang ist das Wort – von den Deutschen als Nazis, die nicht lachen könnten, nicht über ihr Nazi-Erbe, nicht über den Holocaust, nicht über sich. Die derart traumatisiert seien, und alles in perfekte Arbeit steckten, in „Mercedes“ und „BMW“. Dass sie sich doch locker machen sollten, und ob es hier tatsächlich nach „Gas“ rieche…

Der Comedian Tommy Tiernan ist zum erste Mal in Berlin, und er macht sich warm. Das Publikum im ausverkauften Quatsch Comedy Club wiehert fast einhellig zum Einstand des schmächtigen Iren. Schnell findet er hier sein Publikum.

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Tiernan ist ein Star auf der grünen Insel, berühmt für seine schonungslosen, unter die Gürtellinie des Geschmacks zielenden Phantasien, die er, sprachlich beeindruckend, zu irren Storys verdichtet. Vom Deutschen-Bashing (das aus einer obskuren britischen Vorliebe für Nazi-Witze resultiert, man denke nur an Prinz Harrys Hitler-Kostüm) – kommt Tiernan bald zu mehr Substanz. Da wird die Zugfahrt von München nach Berlin, bei der er an einem mittelalterlichen Kloster vorbei fährt, zum Ausgangspunkt religiöser Betrachtungen, die in wahrhaft exzessiven Gesängen münden.

Tiernan springt im Schweinsgalopp zwischen den Rollen hin und her, ist Mönch, Muezzin, Rabbiner in einer Person, wechselt Identität und Kauderwelsch, als hätte jemand die Vorspultaste gedrückt, und steigert sich dabei in jenen Zustand himmlischer Ekstase, auf den so mancher Asket neidisch wäre. Das ist sehr gut gemachter Quatsch, das Publikum johlt vor Begeisterung, und hier, im wohlkalkulierten Außer-Sich-Sein, ist der 44jährige voll in seinem Element.

Erstaunlich, woher der Komiker die Berserkerenergie nimmt für seine verbale Achterbahnfahrt in einem tausendfach mit fuck durchsetzten Irisch-Englisch. Am Ende liefert Tiernan noch ein bisschen Irland-Folklore. Dass er ein „prächtiges Weib“ mit höllisch rotem Haar und sechs Kinder hätte, erfahren wir, und dass Shopmanager an öden McDonalds Drive-Ins manchmal echt coole Säue wären: Wenn ihm einer seine Bestellung mit den Worten, das sei shit, was er da esse, heraus reicht, könne es für Irland noch nicht zu spät sein. Nun denn.

© RCR Jana Sittnick

© RCR Laurenz Carpen

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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