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Verrücktes Entertainment „Der helle Wahnsinn“ – ein artistisches Ausnahmestück feiert das Anderssein

Es ist schrill, es ist freaky, es ist queer. Und es hat einen ernsten Unterton, den es trotz aller Leichtigkeit nie verrät. „Der helle Wahnsinn“ heißt das neue Revue-Musical im Wintergarten Varieté, das am Donnerstag Premiere feierte, und es macht seinem Namen alle Ehre.

In der Inszenierung von Markus Pabst begegnen wir einem lebensfrohen Luftikus im dunklen Nachkriegsberlin. Herbert Maria Freiherr von Heymann (Jack Woodhead) hat das Konzentrationslager der Nazis überlebt und kommt zwei Jahre nach Kriegsende wegen „Unzucht“ in eine „Irrenanstalt“ am Stadtrand. Dies ist wahrlich kein Ort der Heilung, heruntergekommen und schäbig, mit einem Direktor, der noch Hitler-Porträts an den Wänden hat und seine Insassen als zweitrangiges Menschenmaterial begreift. Von Heymann, der als Homosexueller einsitzt, lässt sich nicht den Lebensmut austreiben. Er nimmt es mit Galgenhumor, Gesang und Tanz – und trifft in der Klapse auf schräge Vögel und krasse Charaktere, wie die schizophrene Somalso (Sarah Bowden), den mordlustigen Karl das Messer (Florian Zumkehr) und den Ex-Seemann Hans die Woge (Rummelsnuff). Und dann ist da noch Punka, das „Jungen-Mädchen“ (David Pereira) vom „Zigeunerzirkus“, der seit der Ermordung seiner Roma-Familie durch die Nazis nicht mehr spricht. Von Heymann ist in Punka vernarrt, und tief beeindruckt von den Talenten seiner neuen Gefährten. Er macht einfach Entertainment daraus – mitten in der Anstalt – in Erinnerung an die „Goldenen“ Zwanzigerjahre und ihre Varietés, und stellt eine Revue auf die Beine, die die tollste, freakigste, schönste überhaupt werden soll. Nicht zuletzt geht es, inmitten von Trauma, Unterdrückung und Angst, ums Überleben…

Der helle Wahnsinn“ ist ein Ausnahmestück, weit mehr als eine Nummernrevue, mit einer bewegenden Geschichte, in die die artistischen Einlagen, die (von Woodhead und Pereira geschriebene) Live-Musik, die Tanz- und Gesangsnummern eingefügt sind. Jack Woodhead überzeugt als tuntiger Impresario, mit Vitalität, High Heels und Pianospiel, die Australierin Sarah Bowden hat eine tolle Gesangsstimme, und spielt auch den schizophren-burlesken Strip wunderbar. Florian Zumkehr macht Handstände auf einem Arm und springt Salto durch sehr hohe Reifen. Und David Pereira, der spanische Ausnahmekünstler, der seinen Körper gummigleich verbiegen und anmutigstes Hoola Hoop zeigen kann, ist ohne Zweifel der Wintergarten-Liebling (mit eigener kleiner Show).

© RCR Jana Sittnick

Zur Premiere im WintergartenVarieté kamen auch viele Prominente darunter Arthur Brauner, Valerie Niehaus, Dagmar Frederic, Jackie Schwarz, Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit, Rolf Kühn, Sven Ratzke, Ella Endlich, Nanna Kuckuck, Barbara Schöne oder Helmut Baumann. Nach dem begeisterten Schlussapplaus mit Standing Ovations wurde im Foyer noch lange gefeiert. Wintergarten-Chef Georg Strecker hielt seine traditionelle Rede auf dem Tresen und stellte die Artisten, Musiker und anderen Mitwirkenden den Premierengästen einzeln vor.

„Der helle Wahnsinn“, Wintergarten Varieté Berlin, bis 5. Oktober

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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