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Blondie greift tief in die Erinnerungskiste und lässt Erinnerungen wieder zum Leben erwachen

Auch mit fast 69 Jahren gibt Debbie Harry (Front-Sängerin der Gruppe Blondie) auf der Bühne die Punk-Diva. Von Weitem, also besser gesagt von den Sitzrängen im Tempodrom, scheint es, als wäre die Zeit stehen geblieben und man sieht der Sängerin die 40 Jahre auf der Bühne nicht an. Doch leider trügt der Schein – denn beim genauen Hinsehen erkennt man, dass auch an Debbie die Zeit auch an ihr nicht spurlos vorbei gegangen ist. Daher wirkt es anfangs etwas befremdlich, doch dann dreht sich die Zeit zurück, und die Musiker feiern den Sound der 70er- und 80er-Jahre. Die Besucher des Konzertes sind in den besten Jahren. Und bereit dazu, mittels der Musik und der alten Songs eine Zeitreise zu starten. Doch erstmal ist Warten angesagt, denn das Konzert startet 30 Minuten später als geplant – einen Support gib es nicht. Stattdessen aktuelle Chartsongs aus der Konserve – jetzt nicht unbedingt das Richtige, um das Publikum auf das bevorstehende Konzert einzustimmen. Doch auch trotz der Verspätung wurde die Halle leider nicht voller. Der Innenraum war zwar gut gefüllt, nur die oberen Sitzränge waren dagegen recht leer – vielleicht hatten sich auch viele spontan dazu entschlossen, weiter nach unten zu gehen.

Um 20.30 Uhr beginnt das Konzert endlich. Die Band kommt auf die Bühne, Debbie greift zum Mikrofon und man kann nur die Lippenbewegungen sehen… denn weder von Debbie noch von der Live Band gibt es auch nur einen Ton zu hören – einzig und allein das Schlagzeug  kann man vernehmen. Einen vollen Song spielt die Band – ohne dass man etwas hören kann. Das Publikum nimmt das aber gelassen und bestraft nicht die Band mit Buhrufen oder Ähnlichem. Man fragt sich nur, wie ein komplettes Soundsystem versagen kann und keiner etwas davon mitbekommt. Nach Ende des ersten Songs ist das Tonproblem aus der Welt geschafft. „Nice to see you“, ruft Debbie Harry in den halbvollen Saal. Und wird lautstark bejubelt. „That’s live. I think we start again“, sagt sie, und das tun sie dann auch.

Kaum sind die ersten Takte zu hören, springen die ersten von ihren Sitzplätzen und wirbeln wild ihre Gliedmaßen durch die Halle – es leben die 70er Jahre. Eigentlich war die Band auf Tour gegangen, um ihr neues Album ‚Ghosts of Download‘ live vorzustellen – aber es sind natürlich die alten Hits, die das Publikum hören will. Klar lauscht man auch aufmerksam den neuen Songs, aber es ist doch eher ein zur Kenntnis nehmen, denn jeder will ihn hören, den Soundtrack der eigenen Jugend, „Heart Of Glass“ oder „Atomic“, „Call Me“ oder „Rapture“. Und den gibt es dann auch, von einer Band, die merklich in die Jahre gekommen ist, aber partout nicht erwachsen werden will. Aber die alten Songs wirken eben noch immer – Musik kennt kein Haltbarkeitsdatum.

Anfangs wirkt es etwas befremdlich, doch im Laufe des Abends dreht sich die Zeit einfach zurück, und die Musiker zelebrieren den Sound der 70er- und 80er Jahre, musikalisch etwas gestrafft und von allzu nostalgischen Keyboardklängen befreit, aber dennoch von hohem Wiedererkennungswert. Auch wenn der Sound im Laufe des Konzertes trotzdem nicht das ist, was man irgendwie erwartet – den Fans gefällt es. Diese Band, die sich 1982 aufgelöst hat und sich 1997 wieder vereinte, bietet eine große stilistische Vielseitigkeit. Sie spielen Rock, Punk, New Wave, Disco, Europop, ja sogar Rap. Und lassen sich dadurch nicht in einer Schublade stecken – warum auch. Musik ist vielseitig, und warum soll man sich für eine Richtung entscheiden, wenn man doch alles haben kann.

Dennoch: Obwohl es auch etliche neue Songs zu hören gibt, wirkt dieser Abend ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Neue Stücke wie „Mile High“ oder „Rose By Any Name“ passen sich nahtlos ein in das stilistische Blondie-Durcheinander. Und am Rande erwähnt Debbie auch noch, das die Band gestern erst einen neuen Vertrag mit der BMG abgeschlossen haben und somit ja nun auch einen Teil zur deutschen Wirtschaft beitragen.

„Maria“, der bisher letzte Blondie-Hit, bleibt der leichte und kalkulierte Schlager, der er schon Ende der 90er-Jahre beim Comeback gewesen ist. Und das ist auch der erste Song, den ich persönlich mit der Band verbinde und auch selber in den 90er auch wirklich mitbekommen habe – alle anderen Hits kannte ich bisher nur aus dem Radio und konnte meist den Interpreten nicht zuordnen. Gut, man sollte an der Stelle vielleicht auch erwähnen, dass ich erst in den 90er wirklich Musik gehört habe … ich bin eben doch noch eine jüngere Generation und auch mit einer etwas anderen Art von Musik aufgewachsen.

Mit einem treibenden „Heart of Glass“ von 1978 geht Blondie nach gut einer Stunde Spielzeit auch schon ins Finale. Der Applaus und die Zugabeforderungen sind durchaus lautstark. Und natürlich kommt die Band für gleich vier schnelle Zugaben zurück. Nach den Zugaben geht die Band von der Bühne. Und Sekunden später gehen auch schon die Lichter des Tempodroms an. Es war eine kurze Zeitreise in die 40 Jahre Blondie, aber die Fans sind sichtlich zufrieden und das ist am Ende das, was zählt.

Berlin, 23.06.2014

RCR Nicole Kubelka

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