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Nicola Rost – Soloprogramm

Schauspielerin und Sängerin Luisa Wietzorek besuchte für REDCARPET REPORTS das Soloprogramm der LAING Frontfrau Nicola Rost im TIPI am Kanzleramt. Hier schildert sie ihre ganz persönlichen Eindrücke.

Mir geht das echt immer so! „Morgens bin ich immer müde, aber abends bin ich wach“! Eben eine waschechte Nachteule. Ich nehme mir dann immer vor ganz, ganz früh ins Bett zu gehen. Wie das ausgeht, liegt auf der Hand und schon steckt man mitten im Teufelskreis.
Aber nicht nur das scheinen „Laing“-Leadsängerin Nicola Rost und ich gemein zu haben. Eigentlich sollte der heutige Soloprogramm-Abend schon am 14. August in der Bar jeder Vernunft stattfinden.
Doch stattdessen wurden wir beide an eben diesem Wochenende hinterrücks von Wespen gestochen und fanden heraus, dass wir auf diese allergisch sind. Beide kamen wir fast zeitgleich in Krankenhäuser und sahen mit Sicherheit ähnlich fatal aus und wurden mit allerhand lustigen Medikamenten zugedröhnt.

Wie das bei uns beiden so passiert ist, wär bestimmt ein lustiges Pläuschchen wert…
In jedem Fall ist ja alles gut gegangen, und ich habe hiermit unser beider Kryptonit bekannt gegeben. Ich werde euch als erste verdächtigen bei einem Wespen-Anschlag auf Fräulein Rost oder mich. Also Vorsicht!
Dieser blöde Zufall hat nun allerdings zum glücklichem Umstand geführt, dass die Veranstaltung erst heute stattfand und ich die Chance bekam, diesem schönen Abend im TIPI am Kanzleramt beizuwohnen.

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Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht viel über die Dame. Ich war sogar etwas skeptisch. Ich befürchtete ein wenig, dass mich zu viele coole bis unterkühlte hippe Elektropop-Klänge erwarten würden, zu denen ich Schwierigkeiten hätte, ein Gefühl zu bekommen.
Aber mein Bauch signalisierte Neugier. Eine junge Singer-Songwriterin, die wohl ordentlich auf Zack sei und hier was Eigenes vorführe… Das klang dann doch zu verlockend! Ich dachte sofort, „Das ist doch was für Maria!“. – Darf ich vorstellen: Maria Koschny, die wohl begabteste Synchronschauspielerin ever, selbst Singer-Songwriterin und zu meiner Ehre auch noch meine beste Freundin. Diese hatte mega Lust, überraschenderweise sogar Zeit und bekam dann promt auch noch eine Eintrittskarte. Also gab es nichts mehr, was uns hielt.
Ich kann nur sagen: Wir wurden mehr als nur nicht enttäuscht: Wir wurden in Gänze mitgerissen und begeistert!

René du Vinage machte Fotos, wir Mädels tranken beide Früchtetee und die Show ging los.

Nicola Rost wurde von einer vierköpfigen Herrenband begleitet, bestehend aus ihrem Bruder Thomas (Gitarre), Jan (Schlagzeug), Felix (Perkussion) und Robert (Bass und Kontrabass). Alle trugen Lagenlook: Shirt und olivgrünes T-Shirt drüber. Die enorm schlanke und grazil gewachsene Nicola trug einen gestreiften glitzernden Einteiler, der schlicht und gleichzeitig umwerfend war. Ich bat sie, auf dem nach der Show geschossenen Foto sich ja nicht zu mir hinunter zu beugen. Diese Schönheit muss man doch in voller Pracht sehen und die Größe ist bei uns definitiv keine Gemeinsamkeit. Was hohe Schuhe so aus machen *räusper*…
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Nun schafft es diese bezaubernde Frau, mich über den ganzen Abend gänzlich mitzureißen.
Sie singt eigene Lieder. Sie interpretiert sowohl Chansons, als auch Laing- und andere Songs neu und flicht Gedichte ein. All dies gelingt ihr mit größter Ehrlichkeit. Ganz pur, ohne Aufwand. Mutig, enorm humorvoll, präzise und unglaublich berührend.

Maßgeblich singt sie von Liebe. Aber es ist kein kitschiges Abziehbild. Es ist ein Ausflug in ein Leben, umrahmt von Liebe, die manchmal fehlt, die kompliziert ist. Von Liebe, die einen antreibt, von Liebe zu Freunden, zu sich und dem Leben selbst. Immer mit Vorwärtsdrang und Humor.
In freud’scher Manier hatte sich Nicola einst bei einem anderen Lied verhört und „Liebe“ statt „Lüge“ verstanden. Das lässt doch tief blicken, oder? Kurzerhand entstand ein neues Lied: „Die große Liebe“.
Als sie ihren Kollegen Dagobert auf die Bühne bittet und nun beide gemeinsam performen, strahlt sie von Kopf bis Fuß. Gerade hatte sie – wenn ich es richtig verstanden habe – noch einen Song ihrem Mann Louis gewidmet und nun besingt sie den „fremden Mann“, dass es nur so knistert. So stark sie allein ist, umso mehr schätzt man, wie gern sie andere mit ins Boot nimmt und ihnen ihren Platz lässt. Generell hat sie neben all der Power etwas Uneitles.

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Einen Song hat sie in „Männerstimme“ geschrieben, indem sie sich beim Songschreiben am Computer eine Oktave tiefer pitchte. Performt wird der lustige Einblick in Nicolas Tag als Mann von Bassist Robert.  „Alles nur geklaut“ (im Original von den Prinzen) ist so derartig coole-Socke-mäßig neu interpretiert und im nächsten Moment erwischt sie mich mit ihrer so genau beobachtenden und klaren Art, dass mir ganz unsentimental Rührungstränen in die Augen steigen. Ich bin amüsiert, relaxt und ergriffen ohne überfordert zu werden.

Sie ummantelt den Abend mit kleinen, feinen Erzählungen, die Einblicke gewähren und gleichzeitig Lust auf mehr machen. Sie rastet auch mal richtig aus, denn im Erwachsenenleben sei ja sonst kein Platz mehr für Hysterie.

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Schon immer wollte sie einen Song über „Plutonium“ schreiben und mit dessen Textzeilen bringt sie mich neben aller Berührung noch mal richtig zum Lachen.

Was habe ich über diese verletzliche Powerfrau, die genauso gern wie ich Kästner und Tucholsky liest und sich zwischenzeitlich die Frage stellt „kann ich weg oder bin ich Kunst?“ gelernt?

Ich fühle mich inspiriert. Ich mag ihren Mut. Sie ist klar sichtbar und strahlt mit Facettenreichtum. Ich bin überrascht über ihren Tiefgang und begeistert von ihr als Künstlerin, die „Wörterbücher umschreibt“ mit Konjugationskreationen wie „dein, deiner, an deinsten – am deinsten bin ich oft am alleinsten“.
Da wundert es nicht, dass ich ihr Angebot als Zugabe einfach noch mal das ganze Set von vorne zu spielen, jederzeit und sofort annehmen würde. Maria geht es genauso und das tun wir auch lauthals gemeinsam mit dem Rest des Saales kund.

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Danke!

Autor:

Luisa Wietzorek

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Schauspielerin, Synchronsprecherin und Sängerin aus Berlin

www.luisa.tv

https://www.facebook.com/luisa.wietzorek

Fotos RCR © René du Vinage

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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