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Uraufführung „Sven Ratzke & Band – STARMAN“ – die Premiere im TIPI am Kanzleramt

Schauspielerin und Sängerin Luisa Wietzorek besuchte für REDCARPET REPORTS die Weltpremiere von „Starman“ in Berlin. Hier schildert sie ihre ganz persönlichen Eindrücke.

Von Sven Ratzke und seinen Entertainerkünsten wurde mir schon vorgeschwärmt. Jetzt steht die Uraufführung seiner neuen Show an, also nichts wie hin zur Premiere im TIPI.

Kalt ist es heute, so 4 oder 5 Grad denke ich. Was ein herrliches Gefühl in das warme, rubinrote Foyer zu treten. Augenblicklich breitet sich Gemütlichkeit aus. In einer Stunde geht es erst los, also ist es noch nicht brechend voll. Ein paar Leute an der kleinen Bar, einige sitzen sicherlich schon im Saal und essen eine Kleinigkeit. Ich hol jetzt erstmal mein Ticket bei den netten Ladies hier ab.

Die „Rote Teppich-Welt“ beginnt. Ich frage mich, wer die Leute alle so sind, die hier heute eintrudeln. Hier und da rennt einer der Fotografen aufgeregt in eine Ecke, um ein hübsches Bild von einem neu eingetroffenen Promi zu machen. Ich bin dann doch überrascht, wie viele Namen mir einfallen und die ein oder andere persönliche Geschichte zu ihnen. Da ist zum Beispiel Frau Nanna Kuckuck, die eine hübsche Eigenkreation zu tragen scheint. Sie ist bekannt für ihre Haute Couture, und ich bin jahrelang täglich an ihrem damaligen Laden in der Bleibtreustraße vorbeigekommen. Auch mehrfach. Nicht etwa, weil ich ein Nanna Kuckuck-Stalker bin – auch wenn das jetzt nahe läge – sondern weil ich im selben Haus gewohnt habe. Ein Kleid von ihr habe ich allerdings noch nie getragen. Na, kann ja noch werden… Dann sehe ich Guntbert Warns. Seine Stücke im Renaissance Theater sehe ich super gerne und bis vor kurzem waren wir in derselben Schauspielagentur. An der Seite von Ella Endlich (Wintergarten – Atemlos) erkenne ich Schlagermoderatorin Carmen Nebel. Aber ihr ist heute anscheinend eher nach einem fotofreien ruhigen Abend und so bleibt sie selbst lieber im aus dem Saal quellenden Nebel. Persönliche Referenz: Ihr Sohn war etwa zwei Jahrgänge über mir auf demselben Gymnasium. Wow. Mir fällt echt fast überall was ein. Aber jetzt reicht’s auch langsam. Sonst erzähl ich noch, dass ich als Kind irgendwie eine CD vom ebenfalls heute anwesenden Blonden Emil alias Thomas Nicolai besaß. Und nicht nur das. Ich glaub, ich konnte jedes Lied der CD mitgröhlen. Wie es dazu kam – also zum Besitz der Platte und zum Mitgröhlen – das weiß ich nicht mehr. Also genug persönlicher Erinnerungsnonsens. „Denglisch“-Entertainerin Gayle Tufts ist da, Sängerin Gitte Hænning und Sänger Thomas Quasthoff, der erst kürzlich sein Dirigenten-Debüt gab. Ich sehe Schauspieler Dieter Landuris und Maren Kroymann. Ziviler gekleidet, als ich erwartet hätte auch Regisseur Rosa von Praunheim, Burlesque-Stars und überall große, wunderhübsch hergerichtete Damen. Letztere sind, wie ich dann aber auf den zweiten Blick merke, doch nicht alle Damen im allerursprünglichsten Sinne. Da ist zum Beispiel Sheila Wolf, die eigentlich Wolfgang heißt und heute mit Frau und Eltern hier ist. Eine Lady schillernder als die andere, und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob sie alle tatsächlich Transsexuelle und Dragqueens sind oder ich mich hiermit gerade völlig in die Nesseln setze. So wie wenn man jemandem zur Schwangerschaft gratuliert, der eigentlich nur zugenommen hat und damit halt verdammt gut aussieht. Ist ja auch Wurst, ich bin jedenfalls verleitet, mir Stylingtipps abzuholen. Und wieder geht der Blitz. Wer dort von René du Vinage fotografiert wird, ist mir nicht ganz klar. Jay Khan ist es, wie ich erfahre. Ich wohne echt hinterm Mond. Ich hab noch nie das Dschungelcamp geguckt und auch US5 ruft jetzt kein Lied in mein Ohr. Das muss ich wohl mal nachholen.ratzke tipi

Es gongt jetzt, und wir werden in den Saal gerufen, der auch schon gut gefüllt ist. Schnell bestelle ich noch mein obligatorisches Heißgetränk. Ein Früchtetee soll es heute sein. Leider kein Keks.

Was mich gleich erwartet, hat also viel mit David Bowie zu tun. Mir fällt gerade kein anderer Künstler ein, der derart lang im Geschäft ist. Demnach wär es ja schon fast eine Kunst, nicht mit Liedern von ihm aufgewachsen zu sein. Allerdings glaube ich, wird er die meisten Menschen wohl in den 70ern/80ern geprägt haben und… nun ja, was soll ich sagen? Da gab’s mich ja noch nicht mal wirklich… Ich gehör ja eher zur Generation Spice Girls. Auweia. Da liegen natürlich musikalisch Welten dazwischen. Aber ist doch auch mal cool zu testen, wie die Show auf jemanden wirkt, der jetzt nicht unbedingt zur Kernzielgruppe gehört. Zu meiner Verteidigung muss ich noch sagen, dass ich sehr durch die Musikvorlieben meiner Eltern geprägt wurde. Ich liebe Rockmusik und zähle viel „Älteres“ zu meiner Lieblingsmusik. Puh, gerade noch mal so die Kurve gekriegt. Vor mir sitz eine Frau mit Hut. Bei meiner bescheidenen Größe von 163,5 (am Morgen) ist das durchaus ein Sichthindernis, aber ich werde es überleben.

„Starman“ betritt die Bühne, die Zeitreise beginnt. Ich merke schnell: Sven Ratzke ist ein Entertainer-Vollprofi. Eine irre Energie! Er ist sehr im Körper und versprüht dadurch irgendwie eine starke Anziehungskraft. Er schafft es, gekonnt die Balance zu finden aus Geschichten erzählen, Publikum einbinden und in Songs überleiten. Ich finde ja nichts langweiliger, als wenn jemand nur selbstverliebt seiner schönen Stimme beim Singen lauscht, darüber hinaus aber vergisst, die eigentliche Geschichte des Songs zu erzählen. Glücklicherweise kombiniert Ratzke variable Powerstimme mit Erzeugen von Bildern und dazu performt er mit jeder Faser seines Körpers. Also wer androgyne Männer vorher nicht sexy fand, tut es spätestens jetzt.

Man versucht ja schon, in ganz schön große Fußstapfen zu treten, wenn man sich eines Genies wie David Bowie annimmt. Das ist wie mit Literaturverfilmungen: Die Gefahr ist groß, dass man es nie schafft dem Romanuniversum gerecht zu werden. Vergleiche und Gewohnheit sind also auch hier zu erwarten. Er erzählt in Ich-Perspektive. Ist er Bowie? Ist er Ratzke? Gekonnt lässt er alles verschmelzen und scheint nicht kopieren zu wollen. Stattdessen erschafft er seine eigene Starman- Kreatur. Er ist wild, humorvoll und schräg. Das Musikarrangement von Charly Zastrau ist auch sehr eigen und sphärisch. Die Band, bestehend aus ihm, Haye Jellema und Florian Friedrich, spielt auf den Punkt und neben eigenen Originalsongs reist das Publikum mit diversen Bowie-Songs durch Raum und Zeit. Natürlich wird „Starman“ gespielt. Es gibt eine Menge ekstatischen Beifall bei „Rebel Rebel“, „Space Oddity“ und „Ashes to Ashes“. Ich finde, die Kostüme von Raschid Assoui, derer sich Ratzke hier und da Stück für Stück entledigt, passen sich glänzend in die Show ein. Sie sind schlicht und dennoch voll schrägen Glamours. Vielleicht hätte es noch einen Hauch mehr vertragen. Ratzke trägt eigenwillige Schuhkreationen von Jan Jansen, und ich bewundere, wie er damit unfallfrei die in Nebel getauchte, stimmungsvoll beleuchtete Bühne betanzt. Ratzke spielt die Show heute übrigens das erste Mal auf Deutsch, wie ich später von Perkussionist Haye Jellema erzählt bekomme. Er wird sich mit ihr auch noch auf Niederländisch und Englisch durch Holland und die USA spielen. Hier und da rutscht ihm charmant das ein oder andere niederländische Wort mit hinein. Wir werden von London über Berlin, den NYC Underground bis ins All geführt. Mit „etwas, das aussieht wie Pfefferminzbonbons“ im Mund, vorbei an Frauen mit 28 Brustwarzen, Waxfiguren und Andy Warhol. Das Publikum dankt es mit Standing Ovations und tosendem Beifall.

Nun kommen wir natürlich zum schwierigsten Teil: Schafft es die Show, dem Inspirator gerecht zu werden? Ich habe keine Ahnung! Ich habe sicherlich viele Referenzen verstanden und Lieder wiedererkannt, aber ich muss dann ein derartiges Urteil definitiv anderen Leuten überlassen. Allgemein kann ich sagen: Der erste Teil der Show hat mich mehr mitfliegen lassen, beim zweiten Teil bin ich etwas rausgeflogen. Zwischenzeitig habe ich die Augen geschlossen und mich in eine Art surreale Party-Ekstase der 70er Jahre versetzt gefühlt, was ich spannend fand. Alles in einer Atmosphäre wie ins All geschossen. Später mit dem etwas älter werdenden Protagonisten konnte ich dem Erzählstrang nicht mehr ganz folgen. Das liegt sicher maßgeblich daran, dass mir Referenzen und das damalige Lebensgefühl fehlen. Ich hätte mir noch ein wenig mehr Gänsehauthöhepunkt gewünscht, es war mir zum Ende hin vielleicht einfach einen Tick zu luftig. So bleibt es eine Art Mysterium, was mir am heutigen Abend erzählt werden sollte und doch hinterlässt es mich mit dem Einblick in eine schräge Schwebewelt eines glänzenden Ratzkes und Band.

Starman 029

Ein paar schöne Aftershow-Gespräche und Fotos, sowie einen mitternächtlichen Kuchensnack später, gleite ich in den dunklen Tiergarten. Ich summe immer noch „There’s a starman waiting in the sky…“.

Eingefleischte Bowie-Fans mögen sich vielleicht nicht alle gänzlich befriedigt fühlen. Ratzke-Fans wird es aber in jedem Fall nach dieser Show noch ein paar mehr geben!

Wer es verpasst, reist der Tour hinterher und guckt es zum Beispiel in Amsterdam, New York, Adelaide oder Hamburg. Man kann aber auch einfach bis Februar warten, dann sind sie wieder in Berlin.

Sven Ratzke & Band  STARMAN

Tipi am Kanzleramt, Berlin  

09. – 14.02.2016

http://www.sven-ratzke.com/

Autor:

Luisa Wietzorek

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Schauspielerin, Synchronsprecherin und Sängerin aus Berlin

www.luisa.tv

https://www.facebook.com/luisa.wietzorek


Fotos RCR © René du Vinage

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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