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Marquess – Wir sprachen mit Sascha Pierro

Passend zum Sommer und zur Ferienzeit erschien das neue Marquess-Album „SOL Y SOUL“ (zu Deutsch etwa SONNE UND GEFÜHL). Für ihr siebentes Studioalbum haben sich Sänger Sascha Pierro, Keyboarder Christian Fleps und Gitarrist Dominik Decker 12 Motown- und Soul-Klassiker ausgesucht und ins Spanische übersetzt und den typischen Marquess-Sound verpasst. Unter den 12 Songs dürfte wohl kein einziger sein, den man nicht schon mal im Radio gehört hat – im Original oder zumindest auf Englisch. Aber jetzt auf Spanisch und dann auch noch im neuen Soundgewand braucht es eine Weile, bis man die Songs wiedererkennt. Da merkt man erst mal, was eine andere Sprache und ein anderes Arrangement bewirken können. Wir hatten die Gelegenheit, mit Sascha Pierro über das neue Album zu sprechen, aber natürlich redeten wir mit ihm auch über 10 Jahre Marquess und das, was seit der ersten Single „El Temperamento“ so passiert ist.

Marquess_SolySoul_credit_Marquess_PR_Foto1Wie würdest Du Euren Musikstil beschreiben, Latin-Pop oder Pop mit spanischen Einflüssen?

Da wir alle drei mehr aus der popgitarrenbasierten Richtung kommen und mit lateinamerikanischen und spanischen Einflüssen arbeiten, ist es eher Latinopop. Schwerpunkt ist eigentlich, einen Mix hinzukriegen aus Popmusik und den vielen rhythmischen Elementen aus dem Latinobereich. Aber es ist keine Latinomusik, unsere Stärken liegen im Songwriting aus dem Popbereich.

 Euer aktuelles Album „SOL Y SOUL“ ist seit einigen Tagen draußen, übersetzt SONNE UND GEFÜHL, ist das auch das Lebensgefühl, das ihr mit der Musik transportieren wollt?

Das Album haben wir „Sol y Soul“ genannt, weil wir uns an alten Soulklassikern orientiert haben und die quasi in unsere Marquess-Sprache übersetzt haben. Wir haben dann auch überlegt, wie kann man das Album nennen, dass man diesen Soulbegriff mit drin hat, denn es geht ja hier um Soulmusik, die nach Marquess klingt. Es klingt ja auch nicht immer alles bei uns nach Sommer, wir haben ja auch tatsächlich ruhigere Stücke darauf. Leute, die Marquess kennen, wissen, dass wir auch andere Songs haben. Nicht nur Sonne, Sommer, Sonnenschein. Aber grundsätzlich gilt: Vibes, die auf so einem Album sind, sollen definitiv eine positive und gute Stimmung bringen.

 Ihr habt Euch amerikanische Klassiker der Soul- und Popmusik der 60er bis 80er Jahre ausgesucht. Wie entstand die Idee für das Album?

Da wir jetzt unser 10-Jähriges haben, kam die Idee, was kann man mal machen, das vielleicht sogar komplett untypisch ist. Die Idee war eigentlich, was komplett anderes zu machen. Das war auch für uns die Herausforderung. Wir wollten etwas probieren, bei dem man gar nicht auf die Idee kommt, dass das zusammen geht: Marquess – spanischen Musik – Soulklassiker. Wir hatten am Anfang auch ganz viele andere Ideen, aber da sind wir dann hängengeblieben, und wir haben auch gemerkt, das könnte passen. Wir haben eine große Latte an Soul-Hits probiert, es gab auch genug Hits, wo es einfach nicht funktioniert hat, die vielleicht auch zu monoton soul-klassisch waren, und bei uns mussten die Songs schon eine richtige Struktur haben, damit es bei uns überhaupt passt. Aber so grundsätzlich gilt, wenn man die Platte hört, dann hört man auch Marquess raus. Die Songs haben jetzt ja nicht mehr so viel mit Soul an sich zu tun, aber die Komposition eben.

 Wonach habt ihr die Songs ausgesucht? Welche Kriterien gab es?

Bei dieser Platte war es so: jeder machte eine Liste von Songs, der und der könnte funktionieren. Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich einen Song unbedingt machen wollte und zum Glück ist er auch auf dem Album gelandet: Ich bin ein großer Fan von „Easy“ von den Commodores, aber auch von Faith No More. Und da gab’s halt noch keine Version auf Spanisch. Also haben wir das zum ersten Mal auf Spanisch gemacht. Das Lied war mir ganz wichtig. Aber es gab auch ein paar Songs, wo ich dachte: Nee Leute, das funktioniert überhaupt nicht, und andere aus der Band meinten, lass es uns doch probieren. Das war z.B. „I Just Called To Say I Love You“. Das ist ja ein Song, den könnte man sich eher im Fahrstuhl vorstellen. Aber wir haben jetzt eine komplett andere Version daraus gemacht, dass selbst mir das am Ende gefällt. Es gibt noch so ein paar Überraschungen, wo man denkt: hätt‘ ich nicht gedacht.

Habt ihr auch Songs verworfen, weil sie dann in Spanisch doch nicht so gut zu singen waren?

Also, es gab Songs, die soulmäßig grandios gesungen waren, aber die hatten keine richtige Struktur, sprich, die haben auf drei Akkorden die ganze Zeit abgesoult. Wenn wir Musik machen, dann ist uns wichtig, dass der Song einen klaren Strophenteil und einen klaren Refrainteil hat. Im Soulbereich gibt es viele Songs, die sind sehr klar auf einer Linie, die ganze Zeit eine einzige Melodie. Aber das passt nicht zu Marquess. Die Songs sind dann unter den Tisch gefallen. Wir brauchen schon ein bisschen mehr Struktur in den Songs.

Ihr habt die Songs nicht alle wortwörtlich 1:1 übersetzt. Wie einfach oder schwierig war es, die Freigaben für Eure Versionen zu bekommen? Musstet ihr die Übersetzungen wieder zurückübersetzen und vorlegen?

Genauso läuft das. Betonen muss ich, dass, wenn man Songs covert, übernimmt man den Text und die Melodie, das ist ja das eigentliche Covern. Aber hier war es so, wir mussten und wir wollten es ja auf Spanisch machen, und die Songs gab es nicht auf Spanisch. Das bedeutet, 1:1 übersetzen ist oft schwierig, weil die Worte und die Sätze ganz anders klingen würden. Also mussten wir versuchen, dass die Songs von der Grundstimmung und von der Aussage her beim Thema bleiben, so auch bei Lionel Ritchies „All Night long“. Da wollten wir schon das Thema beibehalten, es ging ja um eine Abendstimmung, Party und Tanz. Das war uns schon wichtig. Aber wir haben teilweise den Inhalt verändert, sind aber nicht komplett abgedriftet. Dann mussten wir das auf Spanisch übersetzen. Und das Ganze mussten wir dann komplett an den Verlag schicken. Teilweise ist es so, dass die Künstler auch noch direkt angeschrieben wurden. Und dann mussten wir auf eine Antwort warten: geben wir frei oder geben wir nicht frei. Es gibt auch noch Sachen, da haben wir immer noch keine Freigabe bekommen – diese Titel sind dann aber auch nicht auf das Album gekommen. Es ist wirklich so: du musst es offiziell freigegeben bekommen haben.

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Wenn ich an spanische Cover von amerikanischen Songs denke, fällt mir als erstes „Hotel California“ von den Gipsy Kings ein. Und euer Opener „Es mejor dejarlo como esta“ oder auch der Mittelteil von „Solo llame para decirte que te amo“ erinnert mich ein wenig daran. Was sagt ihr zu solchen Vergleichen?

Wenn einer was mit Gipsy Kings in die Runde wirft, empfinden wir erst einmal ein großes Lob. Wir sind alle große Gipsy-King-Fans. Die Gipsy Kings haben das gemacht, was viele andere Bands jetzt machen oder versuchen zu machen. Die Gipsy Kings haben einen Stil entwickelt: Sie haben sich an Flamenco orientiert, aber nicht zu ausweitend künstlerisch, es hat auch diesen gewissen Pop-Anteil. Auch wenn für junge Leute die Gipsy Kings zu klassisch klingen – die machen eine gewisse Atmo, die auffällig ist, die Gitarren stehen im Vordergrund, es ist Flamenco drin, aber gleichzeitig sind auch die schönen Melodien dabei. Und „Hotel California“ ist ein gutes Beispiel. Den Song feier ich wirklich ab.

Marquess gibt es jetzt seit 10 Jahren. Was bleibt in der Erinnerung hängen? Worauf blickt ihr besonders gern zurück? Was waren die Highlights?

Was am meisten im Kopf bleibt ist, dass wir am Anfang dachten, und selbst die Plattenfirma sagte: „Hört sich gut an, können wir mal probieren“. Das war „El Temperamento“, unser erster Song. Und die Worte der Plattenfirma waren: „Ja, dann gucken wir mal, ein Album kann man vielleicht noch machen, probieren wir mal aus“. Und mittlerweile ist es das 7. Album. Und wenn man zurückblickt, ist man eigentlich nur stolz darauf, dass man sich 10 Jahre gehalten hat und immer noch unterwegs ist und es immer noch tierischen Spaß macht. Ansonsten sind es eigentlich die großen Auftritte, an die man sich gerne erinnert: „Live Earth“ in Hamburg, als man in die ganze Welt ausgestrahlt wurde und man dachte: „Wow“. Das behält man halt im Kopf. Oder am Brandenburger Tor zu spielen, das sind so Momente. Unterm Strich: Die Auftritte sind immer am Schönsten. Studio-Zeit ist immer Arbeit und Kreativität. Aber da ist man immer sehr für sich. Am Schönsten ist es immer auf der Bühne zu stehen. Ich persönlich genieße immer jeden Auftritt.

Was würdet ihr anders machen? Gibt es etwas, das ihr bereut?

Also eigentlich nicht. Vielleicht lag es auch daran, wir haben ja nicht als Jugendliche mit Marquess angefangen. Es gab schon Sachen, die wir von Anfang an versucht haben zu unterbinden. Ein gutes Beispiel ist: Am Anfang gab es ganz, ganz viele Kritiker die gesagt haben: „Ist ja super, die neue Ballermann-Musik“. Und wir haben von Anfang an dagegen gearbeitet, eigentlich wie wahnsinnig. Es war für uns wichtig: Wir sind keine Mallorca-Ballermann-Band, sondern wir machen spanische Musik, weil wir sie mögen. Das war die einzige Phase, ganz am Anfang, wo man aufpassen musste, dass es nicht in die falsche Richtung geht.

Wie kam’s eigentlich dazu, dass ihr spanisch singt? Ihr habt anfangs ja auch noch in anderen Sprachen gesungen, hat sich das so entwickelt…?

Unsere erste Single „El Temperamento“ war ja gleich komplett spanisch. Wir haben gleich das Spanische für uns entdeckt, weil wir gemerkt haben, dass es vom Klang her, von der Phonetik, vom Rhythmus her super zu uns passt. Und dann kam ja auch sehr schnell das Album, da haben wir schon sehr viel Sprachmix gemacht. Das lag aber auch daran, dass wir noch gar nicht so viel für Marquess gearbeitet haben, sondern wir hatten sehr viel für andere Leute geschrieben und hatten deshalb sehr viel in der Schublade in Italienisch, in Englisch… Ich glaube, wir haben dann aber sehr schnell gemerkt, dass das Spanische für uns sehr rund ist, und deshalb sind wir auch beim Spanischen geblieben.

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Wie sehen Eure nächsten Pläne aus? Wird man Euch live sehen? Gibt es Fernsehauftritte oder Konzerte?

Wir spielen das ganze Jahr über, wir spielen quasi jedes Wochenende, aber wir sind keine Tour-Band. Die Auftritte, die wir machen, sind gebuchte Auftritte, bedeutet: es gibt irgendwo ein Festival, ein Stadt-Fest oder Radio-Fest. Und da werden wir gebucht. Das haben wir von Anfang an so gemacht. Deshalb haben wir uns nie als klassische Tour-Band gesehen. Auf unserer Homepage, auf der MARQUESS.de-Seite findet man alle Termine, die Seite wird auch regelmäßig aktualisiert.

Dann bedanke ich mich für das Gespräch und wünsch Euch alles Gute mit dem Album…

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Das Album „SOL Y SOUL“ ist seit 3. Juni 2016 überall erhältlich.

Das Video zur ersten Single „Toda la noche“ („All Night Long“): 


Quelle: SONY Music / Starwatch / Marquess

© RCR Christian Behring, 07.07.2016

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