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Mike Oldfield kehrt zurück nach Ommadawn

„Was, den gibt’s noch?“ werden sich an dieser Stelle viele fragen. „Ja, klar“ werden die eingefleischten Fans antworten. Aber festzuhalten bleibt, dass er auch in den letzten 20 Jahren nicht untätig war – allerdings spielte seine Musik in den Charts keine entscheidende Rolle mehr, seit er 1993 sein „Best Of“-Album veröffentlichte. Für viele tauchte er 2012 in der Eröffnungsveranstaltung der Olympischen Spiele in London erstmals wieder auf.

Auch für Mike Oldfield selbst war dies ein einschneidendes Ereignis: „Ich hatte danach endlich die Gewissheit, dass die Musik, die ich in den Siebzigern komponiert hatte, etwas taugte – und daher war auch klar, dass ich nur in der Richtung weitermachen konnte.“ So reifte in ihm die Idee, sich an den Werken zu orientieren, die noch immer als seine besten gelten: „Tubular Bells“, „Hergest Ridge“ und „Ommadawn“. Um sich die Entscheidung zu erleichtern, befragte er über die Sozialen Netzwerke seine Fans, und als Sieger ging „Ommadawn“ aus der Umfrage hervor.

Mike Oldfield hat dafür folgende Erklärung: „Ich glaube, es liegt daran, dass es eine unverfälschte Aufnahme ist und nicht bloß eine Produktion: Man hört da wirklich Hände, Finger, Fingernägel… Es ist einfach nur spontan so entstanden – eine Aufnahme voller Leben.“ So stand schon mal fest, in welche Richtung es gehen sollte. Und dass es eine Nachfrage nach der Musik geben würde, spornte ihn zusätzlich an. Schwieriger wurde es bei der Beschaffung der Instrumente, denn Mike Oldfield lebt seit einiger Zeit in Nassau (Bahamas), und gerade die Tasteninstrumente wie Hammondorgel oder Mellotron findet man dort nicht an jeder Straßenecke. Schließlich hatte er noch die Idee, dass „… ein paar kleine Details  vom Originalalbum wieder auftauchen sollten… und so nahm (er) ein paar Gesangspassagen vom ersten ‚Ommadawn‘-Album, (hat) sie in Stücke zerschnitten, sie mit Soundeffekten bearbeitet… und sie dann wieder neu zusammengebaut.“ Im Gegensatz zum Original von 1975 hat er diesmal alle 22 Instrumente selbst eingespielt in seinem hypermodernen Hi-Tec-Studio, das sogar über einen riesigen 4k-Bildschirm verfügt.

So setzte er sich in den vergangenen 12 Monaten hin und schuf ein Werk, das so nah bei ihm ist, wie kein zweites aus den vergangenen 40 Jahren. Es gab ja auch einige Tiefschläge aus den letzten Jahren  zu verarbeiten: einen langen Rechtsstreit, den Tod seines Sohnes Dougal (er verstarb mit nur 33 Jahren an einem Herzinfarkt) und den Tod seines Vaters. Aber wie sagt Mike Oldfield selbst: „Ich habe wirklich großes Glück, dass ich meine Gefühle in der Musik zum Ausdruck bringen kann… Die eigene Lebenssituation kann dazu beitragen, dass die eigene Musik einen ganz anderen emotionalen Tiefgang bekommt und viel mehr Gewicht – so wie damals auch in den Siebzigern. Und ich habe das Glück, die Sachen artikulieren und ausdrücken zu können.“

Davon kann sich seit  dem 20. Januar jeder selbst überzeugen. In nur zwei Songs mit insgesamt 42 Minuten Länge hat Mike Oldfield all seine Gefühle und Empfindungen gepackt. „Return to Ommadawn“ steht in bester Prog-Rock-Tradition. Bleibt nur noch der Wunsch offen, den großen Multiinstrumentalisten einmal wieder live zu erleben. Leider gibt es dazu bisher keine Angaben.

Quelle: UNIVERSAL Music / Virgin EMI / Mike Oldfield / Rupert Lloyd (Cover)

© RCR Christian Behring, 22.01.2017

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