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„Sad Clowns And Hillbillies“ – John Mellencamp featuring Carlene Carter

Seit mehr als drei Jahrzehnten gilt John Mellencamp als einer der herausragenden amerikanischen Musiker. Seit Freitag, den 28. April 2017 liegt das neueste Werk vor.

„Sad Clowns And Hillbillies“ heißt sein 23. Studio-Album. Die Songs dafür hat er gemeinsam mit Carlene Carter, Tochter von June Carter und Stieftochter von Johnny Cash, geschrieben. Seit der Arbeit für sein Musical „Ghost Brothers Of Darkland County“ (das Libretto stammt von Stephen King!) sind die beiden Musiker eng miteinander verbunden. Für den Sommer haben sie auch eine gemeinsame Tour quer durch Amerika geplant. Mehr als 20 Konzerte sollen es werden (von Juni bis September 2017). Als Special Guests sind beim Auftakt in Denver Emmylou Harris und das Duo Lilly & Madeleine dabei.

Zur Entstehung der Songs sagt John Mellencamp: „Am Anfang wollten wir eine religiöse Platte machen, eine alte religiöse Country-Platte. Wir versuchten Lieder zu schreiben, die klangen wie diese Art von Songs, aber neu waren. Und dann entwickelte und entwickelte sich das Ganze und die Songs, die sie brachte und die Songs, die ich brachte – die waren nicht so religiös.“ Den Albumtitel erklärt er so: „Ich schrieb eine Menge trauriger Songs, und so ist es eben ein bisschen geworden wie Sad Clowns And Hillbillies“.

Wie auf seinen bisherigen Alben zeigt sich Mellencamp auch auf diesem Album wieder als Chronist der amerikanischen Gesellschaft. Wie kaum ein anderer Musiker der Gegenwart bezieht er immer wieder Stellung, greift gesellschaftlich und politisch relevante Themen auf. Nicht zu Unrecht gilt John Mellencamp als einer der authentischsten Repräsentanten seiner Generation und als Meister des Storytellings. Auf dem aktuellen Album thematisiert er vor allem die Waffengewalt in den USA, insbesondere die Gewalt gegen Schwarze. So verwundert es auch nicht, dass er das Video zu „Easy Target“ am Tag vor der Amtseinführung von Donald Trump online stellte.

 Schon vor mehr als 30 Jahren, als er sich von Mainstream und Establishment abwandte, begann diese Entwicklung. Mit „Scarecrow“ thematisierte er erstmals die Probleme der Landbevölkerung im mittleren Westen. Gemeinsam mit Willie Nelson organisierte er FARM AID, ein jährlich stattfindendes Benefizkonzert für verarmte Farmer. Auch musikalisch wurden die Einflüsse von Folk und Country mehr und mehr. Anfangs nur durch die Instrumentierung (Violine und Akkordeon) wurden die Stilrichtungen fester Bestandteil seiner musikalischen Ausdrucksweise. Mit den folgenden Alben, vor allem in den 2000er Jahren wandte Mellencamp sich immer stärker der amerikanischen Rootsmusik zu.

Und so klingt auch das aktuelle Album vor allem nach Country, Blues und Folk. Rocksongs wie aus den 80er Jahren (à la „Pop Singer“ oder „R.O.C.K. In The USA“) sind hier Fehlanzeige. Stattdessen gibt es astreine Country-Songs („Sugar Hill Mountain“, „My Soul’s Got Wings“), Country-Folk  („You Are Blind“), Blues-Nummern („Damascus Road“), oder Rootsrock à la Tom Waits („Easy Target“). Mit „My Soul’s Got Wings“ fand sogar ein Text des großen Woody Guthrie seinen Platz auf dem Album.

Einzig lassen vielleicht „Grandview“ und „Early Bird Cafe“ den frühen John Mellencamp durchscheinen. Für „Grandview“ hat er sich mit  Martina McBride einen weiteren Star der Country-Szene ins Studio geholt.  Mit dem Song, der von den Wünschen und Träumen handelt, die wir uns erfüllen sollten, schafft Mellencamp es dann auch, trotz all der trüben Gedanken und Gesellschaftskritik ein wenig Hoffnung zu spenden. Denn trotz aller Kritik  sieht Mellencamp sich als überzeugten Demokraten und Amerikaner.

Sad Clowns & Hillbillies – Trackliste:

  1. Mobile Blue
  2. Battle Of Angels
  3. Grandview feat. Martina McBride
  4. Indigo Sunset
  5. What Kind Of Man I Am
  6. All Night Talk Radio
  7. Sugar Hill Mountain
  8. You Are Blind
  9. Damascus Road
  10. Early Bird Café
  11. Sad Clowns
  12. My Soul’s Got Wings
  13. Easy Target

Quelle: Universal Music / www.mellencamp.com

© RCR Christian Behring, 30.04.2017

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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