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Die Päpstin – Das Musical

Das Festspielhaus Füssen bringt in diesem Jahr die Neuinszenierung des erfolgreichen Musicals „Die Päpstin“, ein Stück über eines der größten Mysterien der Menschheitsgeschichte, auf die Bühne.

Frei nach dem Weltbestseller von Donna W. Cross und mit der Musik von Dennis Martin inszeniert das Team des Festspielhauses um Regisseur Benjamin Sahler die Geschichte einer bemerkenswerten und mutigen jungen Frau, die um Selbstbestimmung, Liebe und Anerkennung in einer besseren Welt kämpft und schlussendlich zur Päpstin gekrönt werden sollte.

Die junge Johanna wird im Jahr 814 in einem kleinen sächsischen Dorf geboren. Sie ist die Tochter des Dorfpfarrers und einer Heidin. Johanna ist außergewöhnlich klug und lernt gegen den Willen ihres Vaters heimlich Lesen und Schreiben in einer Zeit, in der Mädchen und Frauen keine Rechte haben. Gemeinsam mit ihrem Bruder flieht sie vor der ständigen Unterdrückung durch ihren dominanten Vater. Da sie nun kein Zuhause mehr hat , wird sie liebevoll von Markgraf Gerold und seiner Frau bei sich aufgenommen und wächst dort, nicht unbemerkt von Gerold, zu einer jungen Frau heran.

Durch den Gelehrten Aeskulapius, der schon frühzeitig ihre große Intelligenz erkennt und diese nutzen will, erhält Johanna die Gelegenheit, die Klosterschule zu Dorstadt zu besuchen. Da sie dort als einzige Frau kaum eine Chance hat, sieht sie sich vielen Anfeindungen und Repressalien durch ihre männlichen Mitschüler ausgesetzt. Als die Klosterschule von Normannen überfallen wird, kostet sie das fast das Leben, aber wie durch ein Wunder überlebt sie als Einzige das Gemetzel. Hier tauchen zum ersten Mal die von Göttervater Wotan entsandten Raben Munin und Hunin auf, die immer dann in Erscheinung treten, wenn die Situation für Johanna besonders gefährlich wird oder sie an einem entscheidenden Punkt ihres Lebens steht. Sie sind als ihre Beschützer allgegenwärtig.

Um am Leben zu bleiben und sich zu schützen, beschließt Johanna beim Anblick ihres toten Bruders, ihre Frauenkleider abzulegen und fortan als Mann Johannes Anglicus zu leben. So führt sie ihr Weg als Mönch in das Kloster Fulda. In den vielen Jahren lebt Johanna ständig mit der Angst , entdeckt zu werden und das Geheimnis ihrer Verwandlung zu offenbaren.

In dieser Zeit sind Markgraf Gerold, der Gelehrte Aeskulapius sowie der Mönch Rabanus ihre einzigen wichtigen Verbündeten. Von Fulda führt sie ihr Weg schließlich nach Rom, wo das Leben von Unsicherheit geprägt ist und von Intrigen und Machtgier beherrscht wird. Arsenius und sein Sohn Anastasius wollen mehr Macht und Einfluss erlangen und beanspruchen daher das alleinige Recht auf die Papstkrone. Um ihrem Ziel näher zu kommen und alle Hindernisse und Widersacher aus dem Weg zu räumen, sind ihnen alle unlauteren Mittel recht.

Schließlich schafft es Johanna, durch ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten auf dem Gebiet der Medizin , zum Leibarzt des Papstes aufzusteigen und genießt dafür höchste Anerkennung. Auch für ihre Verdienste zum Wohle der Menschen, denen sie ihre uneigennützige Hilfe angedeihen lässt.

Als Markgraf Gerold mit den kaiserlichen Truppen nach Rom kommt, trifft er unvermittelt auf den Mönch Johannes Anglicus und erkennt hinter dieser Fassade seine große Liebe Johanna wieder, nach der er lange Jahre vergebens gesucht hat. Beide wollen fortan ihr Leben gemeinsam verbringen. Dieses Glück wird aber jäh durch den plötzlichen Tod des Papstes überschattet.

Da Johanna in Rom hohes Ansehen erlangt hat, wird sie vom Volk einstimmig zum neuen Papst gewählt. Dies stellt wiederum die Beziehung zu Gerold auf eine harte Probe und birgt die Gefahr, entdeckt zu werden. Als Johanna ein Kind erwartet, beschließen sie und Gerold, die Stadt zu verlassen und irgendwo weit weg ein normales Leben , ohne Anfeindungen,  zu beginnen. Doch dieses Vorhaben scheitert als Gerold heimtückisch und hinterhältig ermordet wird. Johanna erleidet daraufhin eine Fehlgeburt, woran sie letztlich vor aller Augen stirbt und damit ihr lang gehütetes Geheimnis ans Licht kommt. Schließlich sind Johanna und Gerold im Tod für immer vereint.

Die Päpstin ist eine wundervolle und emotionale Aufführung, die mit einem großartigen Starensemble aufwartet. Alle Rollen sind wieder absolut hochwertig besetzt, so wie man es von Füssen kennt, allen voran ANNA HOFBAUER in der Titelrolle der Päpstin Johanna. Sie zeigt in ihrer Darbietung die gesamte Bandbreite ihres darstellerischen und musikalischen Könnens. Sie durchlebt und durchleidet die Emotionen dieser außergewöhnlichen Frau in geradezu atemberaubender Intensität und wirkt sicher mit ihrer angenehmen Sopranstimme bis in die hohen Tonlagen. Dies zeigt sich besonders in ihrem ausdrucksstarken Solo “ Einsames Gewand“.

JAN AMMANN als Markgraf Gerold spielt diese Rolle mit großer Natürlichkeit und strahlt als Markgraf eine gewisse Güte und Ehrenhaftigkeit aus. Er ist Johannas große Liebe und der einzige Mensch , dem sie vertraut, bei dem sie sich geborgen fühlt und der sie beschützt vor den Widrigkeiten ihres gefährlichen Doppellebens. Stimmlich begeistert er mit dem unverwechselbaren Klang seiner Stimme und seinen virtuosen langen Schlusstönen. In seinem grandios gesungenen Solo „Ein Traum ohne Anfang und Ende“ werden sämtliche Emotionen greifbar, und er sorgt damit für Gänsehautmomente der besonderen Art. Gleiches gilt für das Lied „Wehrlos“, dass er zusammen mit Anna Hofbauer singt. Was mit einem langsamen Solopart, mit gefühlvollen leisen Tönen beginnt, sich immer eindringlicher aufbaut und dann in einem gemeinsamen Duett verbindet, zeigt wie wunderbar Jan Ammanns klassisch geprägte Stimme (hoher Bariton) mit Anna Hofbauers Pop-Sopran harmoniert.

UWE KRÖGER verkörpert den Gelehrten Aeskulapius durch eine überragende schauspielerische Leistung. Schon früh entdeckt er, welch außergewöhnlich kluges Mädchen Johanna ist und ermöglicht ihr, entgegen aller Widerstände, eine umfassende Ausbildung und unterstützt sie fortan in ihrer Arbeit, nicht zuletzt, da er selbst stetig auf geistigen Fortschritt fokussiert ist – dies bringt er in einem meisterlichen Schauspiel zum Ausdruck. Überhaupt wird einmal mehr deutlich, dass er durch sein charismatisches Auftreten und seine enorme Bühnenpräsenz die ideale Besetzung für diese Rolle ist. Außerdem fungiert Aeskulapius als Erzähler, der immer wieder alle wichtigen Ereignisse zusammenfasst – dies bringt Uwe Kröger durch seine volle angenehme Sprechstimme sehr gut zur Geltung.

KEVIN TARTE spielt den Rabanus, eine eher kleinere Rolle, aber nichtsdestotrotz weiß er sein Publikum mit seiner ausdrucksstarken Darbietung und seiner sauberen kraftvollen und absolut gefühlvollen Intonation des Liedes „Hinter hohen Klostermauern“ zu begeistern. Seine gesangliche Leistung ist sehr überzeugend und hinterlässt bei den Zuschauern einen bleibenden Eindruck.

ALEXANDER KERBST und DENNIS HENSCHEL spielen die Widersacher der Päpstin, Arsenius und sein Sohn Anastasius, und veranschaulichen sehr deutlich, dass sie nichts Gutes im Schilde führen. Beide konnten durchweg mit ihren gesanglichen und schauspielerischen Leistungen überzeugen. Sie verkörpern ihre Rollen auf fantastische Art und Weise und zeigen dem Zuschauer die Wandlungsfähigkeit ihrer Charaktere in den unterschiedlichsten Facetten, von ungewollt komisch über unberechenbar bis hin zu äußerst gefährlich.

Besonders hervorzuheben sind die Kinderdarsteller der kleinen Johanna und ihres Bruders Johannes. KAYA SOPHIE BODE hat in der Rolle der Johanna einen besonders umfangreichen und teilweise sehr schwierigen Text (z.T. in Latein) zu bewältigen. Dies meistert sie hervorragend, ohne Versprecher, mit guter Betonung, die sehr natürlich und nicht auswendig gelernt klingt und für alle klar verständlich ist. Sie spielt die Rolle der kleinen Johanna kindlich – natürlich und legt eine große Ausdrucksstärke an den Tag, so dass der Zuschauer in jeder Situation mit ihr mitfühlt und ihren Leidensweg verinnerlichen kann.

Ebenso ihr Bruder Johannes, gespielt von NICO BRADE, der zwar eine kleinere Rolle mit weniger Text verkörpert, diese aber sehr eindrucksvoll und überzeugend darstellt. Er zeigt mit Mimik und Gestik sehr deutlich, in welchem Gefühlschaos er sich befindet, angesichts der geistigen Überlegenheit seiner Schwester.

Das Festspielhaus Füssen besticht neben seiner malerischen Lage in Sichtweite des Schlosses Neuschwanstein besonders durch Europas größte Drehbühne, die in diesem Stück leider nicht vordergründig in Erscheinung tritt, dafür umso mehr im ebenso dort ansässigen Musical „Ludwig 2“ beeindruckt. Auf der großen Bühne entstehen ständig wechselnde Szenerien im Zusammenspiel mit grundsätzlich harmonisch abgestimmter Lichttechnik. Leider wurden in der von uns besuchten Vorstellung auch einige Szenen zu dunkel ausgeleuchtet, so dass kleinere Details im Schauspiel und in der Mimik der Darsteller verloren gingen. Die auf das Wesentliche reduzierten Kulissen entführen uns in die verschieden Stationen von Johannas Reise – mal befinden wir uns in der Klosterschule, bei der Papstkrönung oder in Mariozas Freudenhaus. Geschickt eingesetzte Effekte wie Lichtblitze oder Nebelschwaden erzeugen eine mystisch dramatische Atmosphäre und unterstützen die stets wechselnden Stimmungen. Neben dem hervorragenden Tanzensemble wird mit den Tänzerinnen STEFANIE GRÖNING und VERA MARIA HORN auch Luftakrobatik  in die Choreografie eingebunden. Elegant und synchron beeindrucken sie mit ihrer Akrobatik am Vertikaltuch, eine Besonderheit, die es nur selten in Musicals zu bestaunen gibt und die nachhaltig in Erinnerung bleibt.

So bietet „DIE PÄPSTIN“ eine Inszenierung auf höchstem Niveau, begeistert das Publikum durch berührende Songs, aufwendige historische Kostüme und ein Starensemble , das seinesgleichen sucht. Wer sich auch drei Stunden lang auf eine Reise in das 9. Jahrhundert entführen lassen und Johannas mitreißende Geschichte erleben möchte, hat noch in den kommenden Wochen die Gelegenheit dazu.

An den folgenden Adventswochenenden bis zum 16.12.2018 wird das Stück in Füssen zu sehen sein, bis es vom 27.12. – 31.12.2018 in Neunkirchen gastiert.

© Marion Fritzsche

Fotos © Melanie Renker

 

 

 

 

 

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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