Home < Allgemein < Vikingur Olafsson – Ohne Bach wäre alles nichts

Vikingur Olafsson – Ohne Bach wäre alles nichts

Víkingur Ólafsson veröffentlichte am 7. September 2018 sein zweites Album: Bach – eine forschende Annäherung an den Meister des Kontrapunkts, den zum einen Sinnlichkeit des Klangs, zum anderen kompromisslose Objektivität charakterisieren. REDCARPET REPORTS verlost das neue Album des isländischen Pianisten.

„Ohne Bach wäre alles nichts«, sagt Víkingur Ólafsson. Er muss es wissen. Seit seiner Kindheit begleitet ihn die Musik von Johann Sebastian Bach, mit keinem Komponisten hat er sich intensiver auseinandergesetzt. Dem Meister des Kontrapunkts widmet Ólafsson nun seine neue Veröffentlichung. Das Album selbst ist wie eine Komposition: Originalwerke und Transkriptionen werden kunstvoll zueinander in Beziehung gesetzt – Bach und Busoni, Kempff und Siloti, Rachmaninow und Ólafsson reichen sich die Hand im Spiel mit Bachs Tonsprache.

Vor anderthalb Jahren hat der in Berlin lebende Ólafsson schon einmal die Klassikwelt aufhorchen lassen. Anfang 2017 erschienen seine Solo-Klavieretüden von Philip Glass. Seither steht Ólafsson auf den Bühnen der Welt, er gilt als smarter Newcomer der Szene: Ein blitzwacher Geist, 34 Jahre jung, Isländer, reflektierter Kosmopolit und brillanter Musikversteher.

Auf Glass folgt nun Bach, auf den Schöpfer dichter Minimalstrukturen der denkbar komplexeste Tondichter. »Wenn Glass’ Musik Minimal Music ist, dann ist Bach maximal«, sagt Ólafsson und lacht. »Es gibt bei Bach keinerlei Angaben zu Tempo und Dynamik«, erklärt er. »Dadurch hatte ich eine ähnliche Freiheit wie bei Glass.« Als Interpret müsse man umso investigativer vorgehen und sehr viel von sich selbst in die Musik einbringen. Für Ólafsson war das ein Geschenk. Sein Bach kommt schlank und schnörkellos daher, gleichzeitig ist er ungemein expressiv und gefühlsintensiv. »Ich kann es nicht ausstehen, wenn Bach sentimental gespielt wird. Ich ertrage aber auch keinen zu kalkulierten und mathematischen Bach«, sagt Ólafsson. »Bach trägt alles in sich: Eine perfekte Architektur und tiefe Emotionen. Das alles im selben Moment zu zeigen, ist die größte Herausforderung.«

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=_GF8CnuOYhQ&feature=youtu.be

Bach war der beste Lehrer für Ólafsson. Was hat ihn die Beschäftigung mit Bachs Werk gelehrt? »Die Demokratie von Musik«, sagt er. »Jede Stimme zählt, nie ist etwas zweitrangig, auch wenn es scheinbar nur die Begleitung darstellt.« Der Interpret wird bei Bach zum virtuosen Puppenspieler, er führt die Melodien, lenkt die Stimmen und lässt sie miteinander tanzen.

»Es gibt nicht nur einen Bach. Da ist nicht nur der ernsthafte, der christliche und der große Bach. Da ist auch der verspielte Bach, der provokative Bach, der extrem kreative Bach, der spektakuläre Bach und jener Bach, der die Grenzen dessen ausgelotet hat, was auf dem Instrument überhaupt möglich ist«, sagt Ólafsson. All diese Facetten wollte er auf seinem neuen Album zeigen. So feilte er monatelang am Programm des Albums und an einer perfekten Abfolge der Stücke.

Das Ergebnis sollte einer großen, fließenden Komposition gleichen, in der Originalwerke von Bach und Transkriptionen seiner Werke den zeitlosen Charakter der Musik offenlegen. Genau das ist Ólafsson gelungen; die feinen thematischen und harmonischen Bezüge zwischen den einzelnen Werken ergeben eine innere Ordnung, die sich beim Hören intuitiv erschließt. Auszüge aus dem Wohltemperierten Klavier wie das Präludium und die Fuge in e-Moll BWV 855 oder das Präludium und die Fuge in D-Dur BWV 850 sowie kontrapunktische Kleinode wie die Sinfonia Nr. 15 h-Moll BWV 801 und die Invention Nr. 15 h-Moll BWV 786 zeigen Bachs Kompositionskunst auf engstem Raum und setzen ihn als »Meister der Kurzgeschichte« in Szene, wie Ólafsson ihn nennt.

Daneben treten Komponisten wie Sergej Rachmaninow mit seiner Bearbeitung von Bachs Gavotte aus der Partita Nr. 3 für Violine E-Dur BWV 1006, Ferruccio Busoni mit seiner Transkription des Chorals »Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ« oder Alexander Iljitsch Siloti mit Bachs Präludium Nr. 10 e-Moll BWV 855a, das er in seiner Bearbeitung nach h-Moll transponierte. Von Víkingur Ólafsson selbst stammt eine faszinierende Bearbeitung der ersten Arie aus der Solo-Kantate für Altstimme »Widerstehe doch der Sünde«. Das architektonische Zentrum des Albums ist die Aria variata BWV 989; den packenden Abschluss bildet die ebenso selten gespielte Fantasie und Fuge a-Moll BWV 904.

Eine letztgültige Antwort, wie Bach nun zu interpretieren sei, gibt es für Ólafsson nicht. »Wenn jemand meint, die Lösung mit Bach gefunden zu haben, dann liegt er ziemlich sicher falsch«, sagt er. Stattdessen gebe es bei Bach »ganz wunderbare Fragen, die man stellen kann, und unendlich viele Möglichkeiten, seine Musik zu verstehen und zu spielen«. Ólafsson liebt es, Frage und Antwort an den Tasten zu ergründen.

 

 

REDCARPET REPORTS

verlost

4 x die CD

„Vikingur Olafsson – Johann Sebastian Bach“

Wenn ihr gewinnen wollt, schreibt uns bitte eine Mail an die Adresse Gewinnspiel(at)redcarpetreports.de mit dem Stichwort „Bach“. Teilt uns bitte Euren Namen sowie Eure Adresse mit. Einsendeschluss ist der 25. September 2018.

 

Die Teilnahme an der Verlosung setzt die rechtzeitige Einsendung voraus. Die Daten werden nur für die Durchführung des Gewinnspiels, zur Gewinnerermittlung und zur Übergabe bzw. Inanspruchnahme der Gewinne erhoben, verarbeitet und genutzt. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Nicht teilnehmen dürfen Mitarbeiter des o.g. Unternehmens und deren Angehörige. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Automatische Gewinnspieleinträge sind nicht gestattet! Teilnahmeschluss der Verlosung von REDCARPET REPORTS ist der 25.09.2018.

Quelle:  Deutsche Grammophon

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

Check Also

„Und tschüss“ sagt HEINO

Wenn es einen Musiker in Deutschland gibt, den wohl jeder kennt, dann HEINO. Jetzt sagt HEINO nicht leise „Servus“, sondern lautstark „Und Tschüss“ (VÖ 23.11.18/Label: Sony Music).