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Die Liebe zum Film – Über „Schlussklappe“ & Ingo und Robert, ein ungleiches Paar

Wir treffen uns „An einem Sonntag im August“ – so nennt sich das Café im Prenzlauer Berg – zu einem Interview mit Schauspieler und Produzent Andreas Berg („Einfach Maria“ Webserie) und Schauspieler Daniel Zillmann („Tanken – Mehr als Super“ ZDF, „Andere Eltern“ TNT Comedy), um über die derzeitige Produktion von „Schlussklappe“ zu sprechen. Wir sitzen an einer gemütlichen Fensterfront mit Blick aufs Außen – ein Wochenauftakt im März, bei dem Sonne und Regenwolken in wechselnden Intervallen auf sich aufmerksam machen. Andreas sitzt mit Käppi, Latte Machiatto und Quarkspeise schon in der Pole-Position, Daniel, der sich durch den Berliner Stadtverkehr gekämpft hat, stößt trotzdem freudestrahlend in Khaki, schwarz und goldener Schmuckkette dazu. Da sitzen zwei Typen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, beide wollen sie danach noch zum Sport – einer mit Personal Trainer, der andere ist mehr so Typ Selbermachen.

Das Filmfestival „Max-Ophüls-Preis“ kurz M.O.P. vor zwei Jahren war die Wiege der Idee der sich nun im vollen Gange befindenden Produktion von „Schlussklappe“ – ein Film über das Filmemachen. Initiatoren sind die Festivalliebhaber Niclas Mehne (Regie/Autor), Manuel Ruge (Kamera) und Andreas Berg (Schauspieler/Produzent). Das Besondere – der erste Teil wurde bereits während des diesjährigen 40. M.O.P. Anfang des Jahres in Saarbrücken gedreht. Die Umsetzung zu diesem Anlass war Ihnen ein großes Anliegen und ist als solches eine Hommage an das Festival!

Es ist die Idee von einem Film, der gleich mehrere Ebenen bespielt: Es gibt einen Film im Film („Julia, I like“), der von dem Pärchen Julia und Ben erzählt. In einer nächsten Ebene nimmt man an  dem Filmdreh des Films teil. Dabei sieht man auch, wie die Protagonisten – Regisseurin Rebecca (Pina Kühr), Kameramann Andi (Nikolaus Sternfeld), Schauspielerin Saskia (Anne Düe), Schauspieler Robert (Andreas Berg) und Filmnarr Ingo (Daniel Zillmann) auf dem M.O.P netzwerken und gewinnt Einblicke in ihr Umfeld, ihre sozialen Verstrickungen und Hürden. Man könnte meinen eine weitere Ebene wäre dann die real existierende. Die tatsächlichen Filmemacher von „Schlussklappe“ begeben sich in ein Setting, wie es authentischer nicht sein könnte. So können sie neben dem Spiel in künstlerisch gesetzten Räumen auch ganz ehrliche, nahezu dokumentarische Livemomente für sich gewinnen, dank der Offenheit der FestivalbesucherInnen etwa während des Tanzes im Lola-Bistro, im Kino oder bei der Preisverleihung.

Wie viel habt ihr überhaupt von dem eigentlichen Festival mitbekommen?

Berg: „Die Darsteller hatten etwas mehr Freizeit, aber wir das Team haben größtenteils nicht wirklich viel mitbekommen von dem Festival dieses Jahr. Ich fahre seit acht Jahren dahin und es war schon eine komische Situation nicht einen einzigen Film zu sehen, aber wir hatten natürlich auch einen großen Zeitdruck und mussten alles schnell hintereinander drehen.“

Zillmann: „Für mich war auch alles sehr voll gepackt, ich mache ja auch Musik und hatte gerade mit der Tour (‚King Mami‘ mit Luci van Organ) angefangen. Ansonsten hätte ich natürlich gerne was geschaut, weil ich noch nie auf dem Max-Ophüls-Festival war und auch immer Geburtstag habe zu dem Zeitpunkt. Ich hatte einen Photocall für einen Dokumentarfilm über die Volksbühne in dem ich zu sehen bin. Gesehen habe ich nichts, leider. Aber es war sehr schön unter so einem netten Team und so einer tollen Stimmung Geburtstag zu feiern und es war ein sehr angenehmes Drehen. Ich glaube ich fahre nächstes Jahr mal hin!“

Gab es auch komische oder ganz besondere Momente beim Drehen?

Zillmann:Wir haben in diesem Kinofoyer gedreht und dann kommen plötzlich Kollegen, die da irgendwelche Filme sehen und wollen sich mit Dir unterhalten und Du sagst: ‚Sorry, ich muss da kurz hin, wir drehen hier. – Ach so?‘. Und wir waren ja so ein kleines Team, ein paar Leute haben geguckt, aber da laufen ja eh ständig Kameras rum, wegen Interviews mit Iris Berben oder so, sodass es nicht wirklich auffiel, dass wir da waren. Das war eigentlich ganz lustig.“

Insgesamt wurde das Projekt von den Saarbrückern mit offenen Armen empfangen ohne jedwede Mühe zu scheuen. Berg und Zillmann können durchweg von sehr positiven Erfahrungen berichten.

 Zillmann: „Ich hatte vier Drehtage. Am Anfang ging‘s ja gleich los draußen in der Kälte…“

Berg: „Unser erster Drehtag war gleich abends.“

Zillmann: „Unser erster Drehtag war gleich abends genau nach der Ankunft…“

Berg: „Auf dem Rathausplatz in Saarbrücken.“

Zillmann:  „Ja, da laufen halt auch schräge Typen rum, muss man halt sagen.“

Berg: „Ja.“

Zillmann: „Aber das macht‘s halt irgendwie auch aus. Also die Energie ist irgendwie gut, wenn man an so nem Ort ist. Es fühlt sich so an, als wäre die ganze Stadt im Festivalfieber und am Rand sind da aber so die Einheimischen, wie zum Beispiel, da wo wir unsere Base hatten bei, wie heißt er?“

Berg: „Wolfgang.“

Zillmann: „Wolfgang, zum Beispiel. Man hat mit diesen Menschen zu tun, die da leben und sich für das Festival richtig rein schmeißen, aufopfern, also da auch richtig Filmfans sind und für die ist das ein absolutes Highlight und das fand ich irgendwie toll zu sehen, also so eine Leidenschaft!“

Dann warst Du ja hautnah dran auch hinsichtlich Deiner Rolle des Filmfans Ingo!

Zillmann: „Ja wunderbar.“

Berg: „Es hat mich wirklich sehr gefreut, gerade bei einem so stressigen Dreh diesen Support zu erleben. Die Komparserie in Saarbrücken war der Hammer! Auch die Festivalbetreiber, das Cinestar, das Team. Dafür sind wir sehr dankbar. Ein besonderer Dank geht auch nochmal an die Festivalleitung Svenja Böttger, ohne die das nicht möglich gewesen wäre. Das ist nicht selbstverständlich und erlebt man auch nicht überall so. In einer Stadt wie Berlin ist man satt! Hier kommt alle zwei Minuten ein Filmteam um die Ecke und sperrt die Straße ab.“

Zillmann: (Scherzt) „Boah die Parkplätze! Wenn bei mir ‚Vier Blocks‘ in der Gegend gedreht wird, denke ich oh, nein, nicht schon wieder vor meiner Haustür!“

Berg: „Ja, auch bei mir in Friedrichshain wird auch dauernd gedreht an der East Side Gallery, dauernd abgesperrt, dauernd voller Filmteams, dauernd stehen da irgendwelche Trailer herum und so. Also das hat uns sehr gefreut, dass es da anders war.“

Alba Palanca (Continuity), Niclas Mehne (Regie) und Manuel Ruge (Kamera)

 Andreas, Du hattest mir im Vorfeld erzählt, dass es ein Ensemblefilm und Daniel besonders präsent sei. Was zeichnet diese Präsenz aus? Was ist Ingo alias Daniel Zillmann für ein Typ; wie involviert ist er in dem Film und in dem Film im Film?

Zillmann: „Also in dem Film im Film gar nicht. In dem Film selbst ist Ingo wichtig als Spiegel für die Filmemacher, die da hinkommen. Im Grunde genommen ist das so ein Typ, der da irgendwie gestrandet und auch hängengeblieben ist. ‚Ach schöne Stadt, nette Leute.‘ Und er hat viele Sachen probiert in seinem Leben, die er so machen will und ist wahrscheinlich gescheitert, hat aber eine extrem positive Einstellung zum Leben. Das ist glaube ich das Schöne, weil er dann nicht groß enttäuscht ist, sondern immer was daraus macht. Das ist also ein sehr aktiver Mensch. Er hat zum Beispiel herausgefunden: Kerzen kann er ganz gut herstellen und die verkauft er sehr gerne und das macht er mit einer Leidenschaft und einer Liebe, wie Filmemacher ihre Filme machen. Er bietet auch, nicht ganz uneigennützig, dieses Couchsurfing an.“

Berg: „Bett für Jungfilmer“.

Zillmann: „…genau ein ‚Bett für Jungfilmer‘ an, weil er es spannend findet, an dem ganzen beteiligt zu sein, und er hat ja auch ein nicht sehr dünnes Drehbuch geschrieben und möchte das natürlich gerne an den Mann bringen. Es gibt ja noch die andere Seite an ihm, wo er sich vielleicht als Geschichtenerzähler sieht und Robert, der ja ganz überraschend einzieht, kommt ihm da gerade recht.“

Berg: „Man muss dazu sagen, er ist nicht gerade Nummer eins bei den Betten, die zu vergeben sind. Er gilt bei den Festivalbetreibern als totale Notlösung!“

Zillmann: „Dann steht Andi… äh Robert vor seiner Tür und den mag er total gerne und findet das alles sehr aufregend und taucht dann hier und da mal auf!“

Ist das ein aggressives, sehr aufdringliches und zielstrebiges Auftauchen?

Zillmann:Ich glaube nicht, dass er berechnend ist. Er denkt auch nicht darüber nach, dass andere ihn als Nervensäge einschätzen. Er tut es aus dieser Positivität heraus, mag aber auch einfach den Robert sehr gerne, findet alles aufregend und freundet sich dann auch mit anderen an.“

Berg: „Ja, Daniel… äh Ingo hat keine böse Absichten.“

Keine dunkle Kehrseite oder ein Ausbruch von Ingo?

Berg: (schmunzelt)Das wird noch nicht verraten. Und Ingo sticht insofern raus, weil wir haben die vier Filmleute, und er kommt von außen dazu und bricht das dann so ein bisschen auf.“

So entsteht eine zunächst unfreiwillige Symbiose eines ungleichen Paars. Ingo mag Robert einfach unheimlich gerne, Robert aber wäre gerne woanders als bei dieser Nervensäge und gibt sich anfangs distanziert. Dabei sei Daniel als Ingo im Übrigen die absolute Traumbesetzung, erzählt Berg, was dieser geschmeichelt annimmt.

Zillmann: „Die Anfrage war halt auch gut. Wenn jemand sagt, ‚Du bist‘s! Wow‘, danach schreit doch jeder Schauspieler. Da überlege ich nicht zweimal bei etwas, das so viel Seele hat! Ich habe das gelesen und wusste sofort, ah, mir ist ganz klar, was das für einer ist, wie man den spielt. Das hat man selten.“

Tatsächliche Parallelen zwischen der Figur des Ingo und Daniel Zillmann gibt es auch. Während Daniel, der seit seinem vierzehnten Lebensjahr dreht, zwar alles andere als gescheitert ist, hat er doch auch Ablehnung in seinem Beruf erfahren, das bleibe nicht aus, und auch er ist dennoch wie Ingo immer mit einer sehr positiven Einstellung weiter gegangen.

Außerdem verrät er, dass er absoluter Filmfan der 80/90er war und in seiner Kindheit und Jugend ganze Filmarchive aus VHS Kassetten geführt hatte, bevor dieses Hobby dann irgendwann durch seine eigenen Drehanfänge nachließ. Einige Geschichten und Zitate von Ingo kannte er sogar schon selbst! Als Niclas Mehne (Autor/Regie) und er sich das erste Mal trafen, stellte sich heraus, dass beide große Ghostbusters Fans sind.

Zillmann: „Im ersten Gespräch haben wir uns eigentlich nur über Ghostbusters unterhalten und überhaupt nicht über Ingo. Aber das war´s dann auch schon, weil wir uns so leidenschaftlich darüber unterhalten haben. Das ist für mich der Kern – diese Leidenschaft für irgendwas, und das hat er!“

Andreas, welche Parallelen gibt es denn für Dich zu Robert?

Berg: „Ah, da gibt’s ne Menge! (lacht). Robert ist tatsächlich stark autobiografisch, weil ich ja von Anfang an mit involviert war. Die Rolle hat Niclas mir tatsächlich auch auf den Leib geschrieben. Das ist natürlich schön. Und da gibt es viele Parallelen: Robert, der gegen diese Windmühlen ankämpft. Ein Schauspieler, der irgendwie versucht weiter zu kommen, aber merkt, es geht nicht immer weiter und da auch frustriert ist. Gespräche, die er mit Regisseuren und Castern hat in dem Film, sind ganz klar auch aus meinem Schauspielleben.“

Natürlich sei er aber nicht komplett Robert. Erfahrungen fließen zwar ein, figürlich brauche es aber eine noch stärkere Abgrenzung in der Wirkung, um Roberts Fallhöhe größer werden zu lassen und den Kontrast zu Ingo zu verschärfen.

Auch für die anderen Figuren habe der Autor viel aus realen Momenten gespeist, Interviews mit KollegInnen geführt, recherchiert und lasse selbst auch in die Figur der Rebecca, die Regisseurin in dem Film gespielt von Pina Kühr, seine eigene Person einfließen.

Das Festival war für Mehne, Berg und Co. schließlich der wohl herausforderndste erste Teil der Produktion. Sie haben sich schon sehr verausgabt, ihre eigenen Netzwerke weit ausgefächert und sich durch die hintersten Ecken von „wer kennt wen“ mäandert, um Team und Cast zusammen zu stellen.

Andreas, ihr habt Filmförderungen beantragt, die leider abgelehnt worden sind, O-Ton: Wer will das sehen? Hast Du eine Theorie, woran das liegen könnte?

Berg: „In unserem Fall ist es der erste Film, den ich produziere, für Niclas ist es sein Filmdebüt. Filmförderungen denken da vielleicht, da kann jeder Hans und Franz, der gerne einen Film machen möchte, kommen und sagen, ich will euer Geld. Interessanterweise hat sich die Sicht auf unser Projekt geändert, nachdem wir jetzt angefangen haben zu drehen und sie sehen, dass wir es ernst meinen. Ein paar Filmförderungen haben mittlerweile Interesse bekundet. Man merkt schon, dass vorher wahrscheinlich einfach das Vertrauen noch nicht da war. Was wir natürlich tun werden, ist, Postproduktionsförderung zu beantragen.“

Ironisch ist schon, dass ein Projekt, das auch auf die prekären Verhältnisse des Filmemachens ein Augenmerk legt, tatsächlich unter erschwerten Bedingungen entsteht. Eine Doppelung, vielleicht aber auch ein Geschenk mit bitterem Beigeschmack für jede Authentizität und Parallelen zwischen Hier und Jetzt und dem dargestellten Filmemachen im Film.

Andreas Berg, Anne Düe, Nikolaus Sternfeld, Pina Kühr und Daniel Zillmann

Wie es in der Geschichte der Protagonisten nach der Festivalwoche weitergeht; was bleibt, wenn sie in ihre kleinen Wohnungen zurückkehren; wie sie ihre Miete zahlen; ob sie finden, was sie suchen und welche möglichen Metamorphosen und Wendungen stattfinden, wird in diesem Interview nicht gespoilert und bleibt spannend bis zuletzt! Bis es aber so weit ist, stehen noch zwei Drehblöcke diese Woche und im Mai bevor, gut mehr als die Hälfte des Film. Diese müssen ja auch finanziert werden, und dafür läuft gerade eine Crowdfunding Kampagne bis zum 14.4.2019! Das Team hat sich ganz besondere Geschenkideen einfallen lassen! Für nur fünf Euro kann ein jeder etwa ein „gutes Karma“ erwerben, und das kann ja nun wirklich jeder brauchen, eine tolle Sache! Hier der Link zum Glück: Crowdfunding von „Schlussklappe“.

Berg und sein Team hoffen, den Film bereits im nächsten Jahr zum 41. M.O.P präsentieren zu können.

Annalena Müller

Fotos: © Schlussklappe Produktion, Annalena Müller, Niclas Mehne

About René

René du Vinage ist Autor, Fotograf und Übersetzer und lebt nach Paris und London nun in Berlin. Sein Motto: "Heute ist die gute, alte Zeit von morgen".

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